Dienstag, 24. Februar 2015

Noch eine Leseempfehlung

Nathan hat sich dankenswerterweise mal in eine Veranstaltung von Frau von Storch (AfD) gesetzt und das ganze akribisch mitgeschrieben.
Wem also nach einem sagenhaften, surealen Stück Rocky Horror Show ist, dem möchte ich einen Blick in Nathans Blog ans Herz legen. Es lohnt sich.

P.S.: Meine Lieblingsstelle sind die Publikumsreaktionen auf Nathans Fragen! Ganz großes Ohrenkino! Danke dafür.

Montag, 23. Februar 2015

Vorratsdatenspeicherung ist doch Pipifax

Nachdem ja wieder die üblichen Pawlowschen Hunde nach der Vorratsdatenspeichung sabbern, die in den letzten Monaten allerhöchstwahrscheinlich so gar nichts verhindert hätte, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das ganze #VDS-Gesummsel ein unwirksames Instrument ist.
Ich hätte da einen anderen Vorschlag zu machen:

Vorratsdatenspeicherung trifft ja nur den Teil der Gesellschaft, der telefoniert und dieses subversive Pack im Internet. Was aber ist mit all denen, die sich dem verweigern. Könnte man da nicht irgendein Gesetz verabschieden, das alle Baumaterialien außer Glas in Häusern verbietet? Ließe sich doch wahlweise irgendwie ökologisch begründen, so mit Recycling und so, oder eben noch besser mit Sicherheit. Genau! Wenn was passiert im Haushalt, kann man es direkt sehen. Vor den Nachbarn habe ich ja sowieso nichts zu verbergen. Und neunzig Prozent aller Unfälle passieren doch im Haushalt.
Das wäre doch enorm hilfreich, wenn man mal von der Leiter stürzt. Und wenn man doch sowieso nichts zu verbergen hat, ist der Sicherheitsgewinn doch enorm. Der Notarzt könnte ja viel früher da sein. Das würde echt Leben retten. Und wenn jemand doch glaubt,was verbergen zu müssen, bekommt es der Rettungssanitäter ja sowieso mit. Man ist dann ja doch eher hilflos.

Ach, und wo sie gerade sagen "Rettungssanitäter"! Das könnte man doch auch so optimieren, dass die wirklich nur noch zu wichtigen Einsätzen raus gerufen werden. Da müsste man doch präventiv tätig werden.
Zum Beispiel Sexunfälle. Sowas unnormales. Igitt! Ich mein, welcher Sani will denn sehen, wenn sich da zweie verknotet haben, womöglich noch mit Handschellen am Heizungsrohr klemmen? Eventuell sogar zwei Männer! Das will doch keiner sehen. Als davor müssen hart arbeitende Menschen doch geschützt werden. Das ist ja wohl das mindeste.

Wie wäre es deshalb mit Kameraüberwachung? So Schlafzimmer, Küchentisch, Sofa. Die üblichen Ecken halt. Angeschlossen wäre selbstverständlich eine Software, die automatisch verdächtiges Verhalten erkennt und dann vielleicht so einen lauten Warnton ausstößt: Unnormales Verhalten? Trööööööööööt!
Das könnte ja drei mal passieren und dann könnte ja ein harter Strahl mit eiskaltem Wasser ausgelöst werden.
Ich mein, das wären die dann selber Schuld. Die müssen sich doch in ihrer Perversion nirgendwo anketten oder irgendwas machen, was eventuell gefährlich sein kann. Und wenn man die Allgemeinheit doch vor sowas schützen könnte ...

Also ich fänd sowas gut. Ich hab ja auch nix zu verbergen.

Sonntag, 22. Februar 2015

Leseempfehlung

Der Rainer hat wieder ein Ding ausgebuddelt, da glaubst du nicht, ob es auf diesem Planeten vernunftbegabtes Leben gibt. Vor allem, wenn man dann noch aus Anitas Kommentar entnehmen kann, dass diese alpenländische Qualitätspostille nicht die einzige Zeitung mit dieser Meldung war.



Der Autor tritt kopfschüttelnd ab und denkt an Nathan. Alles anzünden, gern auch so manches Lichtlein ...

Samstag, 7. Februar 2015

Wenn zwei sich auf eine Tonart einigen ...

... und dann auch noch schweinegut und in bester Stimung sind, bei dem was sie tun, dann passiert Musik:

Der Herr an der Gitarre ist Eamonn Campbell und hat in Irland so ziemlich alles produziert, was musikalischen Rang und Namen hat.
Gerrry O'Connor ist für mich neben Bela Fleck der derzeit beste Banjospieler. Auf seine Mucke mit Joe Bonamassa habe ich ja schon mal hingewiesen.

Sonntag, 1. Februar 2015

1000 Tode schreiben

Der folgende Text ist mein Beitrag zum Buchprojekt "1000 Tode schreiben"
Ich widme ihn den wundervollen Menschen, die ich im letzten November kennen lernen durfte.


Cornelia ist tot. Einfach so.
Also natürlich nicht einfach so. Aber so plötzlich. Gestern waren wir noch unten im Raucherpavillon. Wir haben geredet und geraucht, wie immer. Cornelia war verschlossen, ich habe sie ermutigt, von sich zu erzählen. Sie hat nie viel von sich erzählt. Von einer fatalen Entscheidung vor drei Wochen war immer die Rede. Welche Entscheidung das genau war, habe ich nie herausgefunden.
Heute morgen war ich wieder zum Rauchen unten und Cornelia hat gefehlt. Verschlafen, dachte ich. Als ich wieder oben war, hieß es: Stationsversammlung.

Cornelia ist tot. Einfach so.
Klar, das hier ist eine psychosomatische Klinik. Da passiert so etwas. Die Ärzte haben uns auch versucht, zu erklären, dass keiner von uns Schuld trägt, dass selbst sie als Ärzte Cornelias Tod nicht haben kommen sehen. Von einem Unfall war die Rede.
Unfall, Unfall! Das kann alles heißen. Verkehrsunfall, Zugunfall, sogar Medikamentenmissbrauch zählt bei der Polizei erst einmal als Unfall. Das war mir lange nicht bekannt.
Am Nachmittag machte dann eine Information die Runde. Natürlich nichts Offizielles, nur über den Flurfunk. Cornelia sei gesprungen, vom Altenheim. Die Polizei kenne den Platz. Aber ändert das etwas für uns? Ist es wichtig, wie sie starb? Ist das Warum nicht entscheidend?

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wir konnten das nicht packen, nicht begreifen. Wollten nicht wahrhaben. Langsam, ganz langsam hat jeder einzelne von uns erzählt, wann er selber einmal vor der Entscheidung stand, zu springen. Mal wurde heimlich in einer Ecke gesprochen, mal in Gruppen. Wir waren viele, und das hat geholfen. Zumindest hat es Cornelias Tod für uns geändert. Wir waren nicht mehr sprachlos, nicht mehr in unseren eigenen Schneckenhäusern vergraben. Für zwei Tage hat Cornelias Tod unsere Panzer zerstört.
Kann man deshalb sagen, dass ihr Tod einen Sinn hatte? Dürfen wir das? Wir kannten sie kaum. Eine Klinik ist so anonym.

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wer war sie? Cornelia wirkte immer wie ein Geist. Wie ein geschlagener, geknechteter Geist. Und sie hat geraucht. Selbst gedrehtes Kraut. Und sie hatte diese alten Klamotten an. Schimanskijacke.
Aber wer war sie wirklich? Ich kannte sie nicht. Keiner von uns kannte sie. Aber Cornelia war immer da. Wir hatten sie gern bei uns in der Raucherecke, wo die Entspannten herumstehen. Ob Cornelia das wusste, ob sie es jetzt weiß? Waren wir sowieso machtlos? Oder haben wir ihr einfach nie das Gefühl gegeben, zu uns zu gehören. Fragen, die bleiben werden. Und jetzt?

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wir haben sie nie mehr gesehen. Der Tod ist eben klinisch. Welche Ironie!
Und wir? Am dritten Tag haben wir angefangen, uns zu streiten. Dürfen wir noch trauern? Müssen wir trauern? Was bedeutet ihr Tod für uns? Was darf er bedeuten? Wer hat die Deutungshoheit? Warum ist sie gestorben? Was wollte sie uns damit sagen?
Streit? Das wollte sie doch sicher nicht. Oder doch? Wir kannten Cornelia nicht, aber sie war wichtig für uns. Gerade im Tod. Welche Ironie.