Mittwoch, 16. Dezember 2015

Der fliegende Engländer

Neulich war ich mit meinem Vater in London und hatte eine wirklich entspannte Woche. Selbstverständlich stand auch ein Besuch der Cutty Sark in Greenwich auf dem Zettel. Nachdem der Teeclipper bei einem Brand im Jahr 2007 fast vollständig zerstört worden war, konnten wir das Schiff in diesem Jahr frisch restauriert entdecken. 
Besonderer Clou: Das Schiff ist im Dock aufgehängt. Das schafft die einzigartige Möglichkeit, unter dem stolzen Schiff einen Kaffee zu trinken.






Freitag, 6. November 2015

Was für ein grenzenloser Stuss

Zum Thema Sterbehilfe möchte ich hier kein Wort verlieren. Ich wollte eigentlich was dazu schreiben, dass heute in allen Radiosendern extra darauf hin gewiesen wurde, dass der Fraktionszwang bei der Abstimmung darüber ausgesetzt wurde.
Ey, ich hab immer noch Krause. Zum Glück hat der Rainer mir die Worte aus dem Mund genommen und angemessen sachlich formuliert. Lesealarm! und Danke, Rainer!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Vorratsdatenspeicherung ist total Porno!

Liebe Mechthild Heil,

Sie haben (mal wieder) Ihre große Begeisterung für die anlasslose Überwachung aller Bürgerinnen und Bürger gezeigt. Ausdrücklich keinen Dank dafür.
Wir hatten uns vor einiger Zeit kurz über Twitter unterhalten,was Sie dazu bewegt, diesem unsäglichen Gesetz zuzustimmen. Von Ihnen kamen die üblichen Argumente: Verhinderung international eingeschleuster Terrorkinderpornografie.
Dass das Mist ist, legt Ihnen Rainer König hier gerne nochmal dar. Jetzt schreibt mein Freund Rainer als Techniker vielleicht in einer anderen Sprache, einer Ihnen - als vornehmlich analog sozialisiert Mensch - vielleicht auch fremden Sprache.
Erlauben Sie mir deshalb, Ihnen den Irrsinn, dem Sie da zugestimmt haben, kurz aus der (bösen, bösen) Internetwelt in die (gute alte) Analogwelt zu übersetzen (Ich werde auch nur ganz leicht übertreiben. Versprochen):

Sie kennen den Koblenzer Bahnhof. Wenn man da reinkommt, ist ja gleich links der Buchladen. Da haben Sie bestimmt auch schon mal einen Krimi für die Reise oder eine Zeitschrift gekauft. Wer tut das nicht. Ist doch harmlos. Wenn Sie da weiter rein gehen in den Laden, vorbei an der Science-Fiction-Abteilung, links von den Eisenbahnzeitschriften, rechts neben den Musikmagazinen, da stehen diese Pornoheftchen. Kann man haben, braucht man aber auch nicht. Ich persönlich fand ja die letzte Flieger Revue über die Zivilluftfahrt der DDR viel spannender. Und die Kinderbücher stehen übrigens weit weg davon - als Verbraucherschützerin müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Klar soweit? Gut. Sie bezahlen also Ihr Heft oder Ihren Roman, wollen Richtung Bahnsteig gehen. Doch was ist das? Ein Kameraauge! Auf den Eingang des Buchladens gerichtet, und da, noch eins, bei der Bretzelbude, und da, und da, und da .... WARUM?!?!


Warum Frau Heil? Ganz einfach! Sie und Ihre Kollegen glauben, dass im Bücherladen neben den Pornoheften auch Kinderpornos liegen und die Brezelbude Natronlauge verkauft, mit dem man ja eine Bombe bauen könnte. Ehrlich! Und deshalb ist es natürlich total wichtig, beide Geschäfte dauerhaft und anlasslos zu überwachen und jeden zu Filmen, der da rein und raus geht. Und falls mal in Koblenz irgendjemand auf der Festung am Spielplatz ein Verbrechen begeht, weiß man doch, wer sich eventuell für Pornos interessiert haben könnte. Und beim nächsten Bombenanschlag könnten ja eventuell alle Brezelesser dran sein. Da hat man ja immerhin schon mal einige Verdächtige. Und wer nicht verdächtigt werden will, soll halt nicht lesen und keine Brezeln essen. So einfach ist das! Lesen und Brezelessen ist ja immerhin freiwillig und keinesfalls ein verbrieftes Bürgerrecht. sicherheit schon. Das ist ja sogar ein Supergrundrecht!

Ehm ..

Mist, Sie haben eben den Roman gekauft! Sie sind verdächtig, weil Sie in dem Laden waren. In dem Laden, von dem Sie vermuten, dass dort drinnen ... Scheiße! was jetzt?

...

Ihnen ist schon klar, dass das von mir entworfene Szenario einigermaßen irrsinnig ist, oder? Aber genau so verhält es sich mit dem von Ihnen verabschiedeten Gesetz (ja, ich weiß, Übertreibungen machen anschaulich, aber im Groben stimmt es.)

Ich hoffe zwei Dinge inständig:
1) Die Gerichte mögen diesen Angriff auf die bürgerliche Freiheit erneut stoppen und Sie (und alle anderen 403 Volksvertreter) endlich begreifen, dass Sie vermutlich schon wieder gegen die Verfassung verstoßen haben. Wissentlich! (Hoffentlich wissentlich.)

2) Ich will endlich verstehen, warum Ihr in der CDU (und in weiten Teilen der SPD) so verrückt danach seid, Menschen erst mal so zu verdächtigen. Anlasslos. Nur so. Aus Angst? Keine Ahnung? Erklären Sie es mir ohne die Begriffe "Kinderpornografie", "Terror", "Schleuser" und "schwerste Straftaten". Der Kommentarbereich ist geöffnet.

Danke.

Martin Ingenhoven, Wassenach

Freitag, 18. September 2015

Einfach mal was Schönes - #Vaterfreuden

Die letzten Wochen haben mich extrem mitgenommen. Die Bilder, Reaktionen der Menschen, Unsinn unserer Politiker, wieder Bilder, hasserfüllte Kommentare in Zeitungsspalten, ein Gefühl der Ohnmacht ...

Und nebenher geht mein eigenes kleines Leben weiter. Mein Leben, in dem ich zum ersten mal fünf Tage als Strohwitwer für unsere Kleine da war. Eine Woche, die mit einer fetten Erkältung für den Herrn Vater endet, eine Woche voller #Vaterfreuden.

Das nehme ich doch mal zum Anlass, all die kleinen Diamanten, die sich so in meinem Leben zwischen Waschmaschine, Kindergarten und Sandkasten ereignen, zu sammeln. Ich tu das schon länger unter dem Hashtag #Vaterfreuden. (Wie übrigens andere Väter auch. Reinschauen lohnt.) Hier folgt eine Sammlung meiner persönlichen Lieblingsdiamanten:










Freitag, 4. September 2015

Überdrussverzweiflungspause

Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Vielleicht haben einige Leser schon gedacht, ich hätte iPhelgold friedlich einschlafen lassen. Zeitweise habe ich das selber sogar gedacht. Aber nein, ich bin nicht eingeschlafen und nicht verschwunden. Ich lebe ganz einfach. Und da hatte in den letzten Wochen die Bloggerei keinen und die Fotomacherei so gut wie keinen Platz.

How comes?

Multicausal. Wie immer.

Seit der Staat endlich eingesehen hat, dass ich nicht mehr zum Lehrer tauge, habe ich Zeit, in Ruhe gesund zu werden. Das finde ich großartig. Ich spüre, wie ich jeden Tag ein wenig mehr Kraft habe, jeden Tag ein wenig mehr für mich selbst und für meine Familie da sein kann. Ich bin sooft es geht draußen unterwegs, wir haben im Sommer einen wundervollen Urlaub mit Emmas Patentante verlebt. Die Entwicklung darf gern so weitergehen. Ich bin mir so gut wie möglich bewusst, wo, um mal Frank Hurlemann zu paraphrasieren, die Hunde lauern und nehme mich gut vor ihnen in acht.

Bei den Ironbloggern Köln bin ich wegen Inaktivität rausgeflogen. Aber da ich mir vorgenommen habe, nichts mehr zu tun, was mir klammheimlich doch gegen den Strich geht und zuviel wird, sei es eben so.

Auf Twitter bin ich seltener. Die ganze gesellschaftliche Grütze in Europa ist für mich sowieso schon unerträglich genug. Ich habe beschlossen, mich da selber zu schützen, und mir einen Großteil der berechtigten Empörung zu sparen. Ich kann einfach im Moment nicht. Nathan schrieb letztens auf Twitter sinngemäß, dass es ihn unendlich schmerzt, weniger tun zu können, als er eigentlich möchte. Das kann ich, auch wenn ich gerade keine Abschlussarbeit schreiben muss (Viel Erfolg und das nötige Glück, lieber Nathan.), genau so unterschreiben. (Und nein, ich werde auch nicht meine Wut über Europas Regierungen rausschreiben.)

Und die Bildermacherei? Ich habe in letzter Zeit einige Sachen für die Schublade abgelichtet, habe aber noch nicht die Ruhe gefunden, da mal drüber zu gucken und was schönes draus zu machen. Ihr kennt das mit gut Ding und Weile ...

In diesem Sinne. Wir lesen uns, und vielleicht auch irgendwann wieder regelmäßiger. Für Lesestoff, Bilder und Denkanstöße empfehle ich wie immer Juna, Nathan, Rainer und Rainer.

Sonntag, 28. Juni 2015

Stilfrage

So lange es hier noch zur öffentlichen Toilette geht, ist Britannien nicht verloren ...

Und nein, ich habe nicht aufgehört zu bloggen. Aber die letzten beiden Wochen waren derartig ereignisreich und voller Eindrücke, dass ich kaum zum Schreiben oder Photographieren gekommen bin. Also eigentlich war es weniger der Photographiermangel, als mehr der Mangel an Ruhe für die Nachbearbeitung ...

Sonntag, 14. Juni 2015

Samstag, 13. Juni 2015

Rostgemälde

Vor Kurzem war ich im Dampflokmuseum Hermeskeil. Bernd Falz hat dort seine Privatsammlung alter Loks zur Besichtigung freigegeben. Die Recherche in einschlägigen Eisenbahnforen ergibt, dass Herr Falz und seine Sammeltätigkeit unter Eisenbahnfreunden nicht eben unumstritten sind. Der Mann hat auf einem alten Bahngelände mit Drehscheibe und Lokschuppen eine unüberschaubare Zahl von Dampfloks angesammelt. Dazu gesellen sich ein paar deutsche Krokodile und ein einige Köfs. Allerdings befinden sich fast alle Loks in einem - aus der Sicht des Eisenbahnfreundes - erbärmlichen Zustand. Nichts, oder fast nichts ist mehr fahrbereit, Rost frisst sich durch die Kessel und die Tender ähneln eher den Hochbeeten einer Birkenzucht.

Das ganze Areal machte auf mich eher den Eindruck eines riesigen Abenteuerspielplatzes, bei dem ich nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ich bin mir sicher, dass ich die Sammlung des Herrn Falz noch einmal besuchen werde, da ich gar nicht alles in mich aufsaugen konnte, was sich mir geboten hat.

Für dieses mal habe ich versucht festzuhalten, welch wundervolle Bilder Rost und Wetter auf die Loks gemalt haben.












Donnerstag, 4. Juni 2015

Kleines Experiment

Nachdem Streamzoo zu meinem sehr großen Bedauern schon seit längerem zugemacht hat, bin ich auf der Suche nach einer Socialsharingdingensbilderentdeckungsplattform. Eine Zeitlang habe ich mal Instagram versucht, aber da ist der Funke nie übergesprungen - wenn ich was zu essen sehen will, mach ich den Kühlschrank auf.
Deshalb teste ich jetzt einfach mal Eyeem, zugegeben nicht mehr ganz so neu, aber mal schauen, was daraus für mich wird. Der Umzug lief mit instagram 2 eyeem schonmal völlig problemlos und Speisebilder habe ich bis jetzt auch noch keine gefunden.

Zum Start einfach mal ein wenig Industrieromantik:

Montag, 1. Juni 2015

Jetzt ist aber mal gut!

Was seht ihr auf dem Bild? Ein Stück Sandkasten? Neue Bretter? Alte Bretter? Eine blaue Wand?

Richtig und falsch!

Ich sehe da vor allem ein Loch. Dieses uselige Ding da in der Mitte -  das ist das, worauf ich nach dem letzten Samstag besonders stolz bin. Aber von vorne:

Am Samstag habe ich angefangen, die vergammelten und fürchterlich unstabilen Kiefernplatten auf unserer Terrasse durch deutlich stabilere Dielen zu ersetzen. Mein bester Freund hat mit angepackt, meine Pläne haben sich als durchaus geeignet erwiesen und das Wetter hat auch noch mitgespielt. Aber am allerwichtigsten für mich ist, dass ich mich nicht gnadenlos angetrieben habe, das Ding an einem Tag fertig zu zimmern. Ja, ich weiß, mit zwei Nichtprofis baut man in einem Tag keine Terrasse. Euch ist das vermutlich klar. Aber es hat Zeiten in meinem Leben gegeben, da hätte ich nicht eher aufgehört, bis ich komplett fertig gewesen wäre - oder eben die Terrasse. Ein ganzes Haus habe ich auf die Weise gebaut. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne auf meine Seele und meinen Körper zu hören, immer weiter.

Warum nur?

Der Satz aus der Überschrift - Jetzt ist aber mal gut! - hat bei mir zwischen 37 und 38 Jahre lang nicht funktioniert. Ich kannte keine Maß und kein Ziel für meine eigene Leistung. Es war nie gut genug. Und sollte ich es tatsächlich einmal geschafft haben, meine eigenen Erwartungen zu erfüllen, habe ich die Erwartungen eben ein gutes Stück höher geschraubt. Hauptsache immer weiter.

Warum?

Ich habe heute keine Ahnung mehr, wem ich was beweisen wollte. Sicher war dieses selbstzerstörerische Verhalten auch in einer Angst begründet, was andere Leute denken würden, wenn ich etwas abliefere, das nicht perfekt ist und stattdessen eine Pause mache. (Ich habe in den letzten Jahren eine Menge Menschen meines Alters kennen gelernt, die auf ähnliche Weise sozialisiert wurden: Nach außen hin muss alles stimmen, was sollen sonst die Leute denken. (Dass da ein Problem meiner Generation liegt, ist von Anne-Ev Ustorf ja eindrucksvoll beschrieben worden.))

Aber selbst, als ich diesen Mechanismus - immer weiter, denn es ist nie gut, schnell, schön, wasauchimmer genug - erkannt hatte, mich ausgiebig, schmerzvoll und tränenreich mit meiner Biographie auseinander gesetzt hatte, erlag ich dem Mechanismus, meine Latte immer höher zu legen. (Genau genommen tu ich das jetzt gerade auch. (Ich habe heute schon einen ganzen Berg Zeug weggeschafft, aber ich hab da noch ein paar Karten im Nacken, die dringend geschrieben werden wollen. Auf der Gefühlsebene ist es reichlich egal, dass ich seit heute morgen 6:30 auf den Beinen bin und Zeug erledige - die Karten sitzen mir im Nacken. Das nervt! Immerhin habe ich es erkannt ...))

Es ist so einfach, einem solchen Mechanismus zu erliegen. Einem Mechanismus, den ich über Jahrzehnte eingeübt habe. Ist doch normal, dass ich mich schlecht fühle, versagt habe, nicht genug geschafft habe. Immerhin fühlt sich das sicher und bekannt an. Keine Experimente! Und genau das macht es mir so schwer, aus diesem Verhaltensmechanismus auszubrechen.

Aber!

Wie man oben sieht, gelingt es mir immer wieder, mit diesem Verhaltensmuster zu brechen. Und wie ich finde, zunehmend besser. Und wenn es mir nicht gelingt, dann bin ich mir dessen immerhin bewusst, dass es mir nicht gelingt, dass ich schon wieder in meiner eigenen Anspruchsmühle feststecke.

In diesem Sinne werde ich mir jetzt das uselige Loch auf der Terrasse anschauen und ein wenig stolz auf mich sein!

Sonntag, 31. Mai 2015

Wieder ein Stück - am Rodder Maar

Heute gab es einen kleinen Familienausflug zum Rodder Maar oberhalb von Niederdürenbach im Brohltal - da wo die Eingeborenen hingehen, wenn es am Laacher See mal wieder zu voll ist. Neben unzähligen blauen Libellen machte ich dort eine wichtige Entdeckung: Seit meiner ersten Rückkehr aus der Klinik im Jahr 2012 waren wir nicht mehr gemeinsam dort oben.

Ich würde sagen, ich habe wieder ein Stück von meinem neuen Leben zurück erobert. Fühlt sich gut an!




Sonntag, 24. Mai 2015

Schöner Schrott im Brohltal

Heute habe ich einen Tag fotografisch die Brohltalbahn bejagt. Wie so oft lagen die für mich interessanten Motive in den Schrotthaufen verborgen. Vielleicht gefallen sie euch ja auch. Ein schönes Restverlängertesfeiertagswochenende euch allen.









Dienstag, 19. Mai 2015

Mein erstes Mal

Martin Ingenhoven
Anreise: 02.11.2011

Das waren die beiden Fixpunkte, die ich im Herbst 2011 noch hatte. Der Rest war konturlos, höchstens schemenhaft.
Über die nächsten Monate ist es mir mit Hilfe vieler lieber Menschen zum Glück gelungen, den Nebel wieder deutlich zu lichten.

"Licht" soll in gewissem Sinne auch Thema dieses Artikels sein - ich möchte einfach mal den Alltag in einer psychosomatischen Klinik ein wenig beleuchten. Vielleicht gelingt es mir ja, das Halbdunkel, in dem Irrenhaus, Klapsmühle und Ballerburg liegen, ein wenig zu erleuchten. (Ich verspreche, dass das hier das letzte unterbelichtete Wortspiel war. Der Rest ist hoffentlich erhellender. (Ups ...))

Eins gleich vorneweg. Geschlossene Psychiatrie, und Psychosomatische Klinik sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Aber komplett. Ein Unterschied, der mir damals nicht klar war. Deshalb hatte ich - tiefschwarzer Humor als Schutzfunktion hatte offensichtlich noch funktioniert - vor meiner Anreise nach Bad Säckingen die Vorstellung von Zwangsjacken, durchgeknallten Napoleons und zugedröhnten Valiumleichen. Schließlich war ich bis dahin in meinem Leben noch nie mit einer derartigen Einrichtung konfrontiert worden, geschweige denn, dass da mal wertungsfrei drüber gesprochen wurde. (Leserinnen und Leser aus Düsseldorf werden sicherlich auch noch den ein oder anderen saudoofen oder hilflosen Witz über Grafenberg kennen ...)


Das Bild habe ich am Ende meines ersten Klinikaufenthaltes im Rahmen der Kunsttherapie gemalt. Relativ schnell habe ich aber lernen dürfen, dass alles, wirklich alles in einer psychosomatischen Klinik eine therapeutische Funktion hat.

Direkt nach der Anreise tat sich eine Parallelwelt auf, in der mir Anfangs jede körperliche Belastung abgenommen wurde. Damit habe ich einige Wochen kämpfen müssen. Immer noch war ich getrieben, schlief nur mit schlechtem Gewissen nachmittags, irgendwas musste ich doch tun können. Ich wehrte mich dagegen, dass man mein Bad putzte und das Bett frisch bezog. Das wäre doch eigentlich meine Aufgabe. Keine Ahnung, wie lange es gedauert hat, bis mein Widerstand zuzammengebrochen ist. Bis ich endlich eingesehen hatte, dass ich mich in einem Zustand befand, in dem ich zwanzig Stunden am Tag schlafen musste, um überhaupt irgedwie zu überleben.
Es ist so unglaublich schwer, zur Ruhe zu kommen - und dann kriegst du noch nicht mal nen winzigen Anreiz geboten, die Ruhe durch Geschäftigkeit zu vermeiden ...

Dankbar war ich irgendwann um feste Essenszeiten. Sie waren das Erste, das meinen Tagen wieder Struktur gab - auch wenn ich zwischen den Mahlzeiten wieder schlief wie ein gestresster Stein. Anders als in den Beinbruchgallensteinkrankenhäusern gibt es übrigens Speisesäle. Nicht zurückziehen, nicht einigeln. Unter Menschen gehen, auch wenn es schwer fällt. Immerhin weiß jeder da unten beim Essen, wie es mir geht. Verstecken ist nicht notwendig.

Überhaupt waren manche Stunden, manchmal auch nur Minuten, mit Mitpatienten wichtiger, als die ärztlich angesetzten Therapien.
Natürlich hat jeder sein eigenes Päckchen zu tragen, aber was die Menschen drinnen von denen draußen unterscheidet, ist die Tatsache, dass drinnen jeder um diese Päckchen weiß. Es gibt also keinen Grund, sich schämen und verstecken zu müssen. Es war für mich eine unglaublich heilsame Erfahrung, spüren zu können, das ich nicht der einzige Verrückte auf der Welt bin. Außerdem habe ich unter all den Verrückten sehr viele umsichtige, untelligente, liebenswerte, sensible, gefühlvolle und achtsame Menschen kennen gelernt. Dieser achtsame Umgang miteinander ist durch nichts zu ersetzen und fehlt mir hier draußen ziemlich oft.
Im Irrenhaus achten wirklich alle aufeinander, ohne sich zu nahe zu treten oder einander zu bewerten und zu verurteilen. Reichlich paradiesische Zustände in so einer Klapsmühle also ...


Sonntag, 10. Mai 2015

Gefühlschaos - Nachtrag zu "Mir egal!"

Ich habe hier versucht, vom Zustand der totalen Gefühllosigkeit zu berichten.
Da kommt sicherlich die Frage auf: Und wie war das vorher? Warst du aus Eis?

Natürlich war ich kein Eisklotz. Schließlich habe ich in der Zeit vorher die tollste Frau der Welt geheiratet und das großartigste Kind der Welt gezeugt. Da sollten schon Gefühle dabei gewesen sein, oder?


Nee, jetzt mal Scherz beiseite. Wann mir die Gefühle 2011 Abhanden gekommen sind, kann ich nicht mehr sagen, aber es war vorher eben deutlich anders. Ich habe im Nachhinein das Gefühl, vorher nie Richtig mit meiner Gefühlswelt im Dialog gestanden zu haben. Die waren zwar da, aber immer irgendwie - störend, lästig, nicht wichtig, nur in Maßen zu genießen … Insofern werde ich meine Gefühle 2011 nicht verloren haben. Nur hat es den Eingang in die Welt gründlichst verschüttet.

Ich habe von der Farbpalette der Gefühle geschrieben. Vielleicht könnte man den Zustand vor dem Krankheitsausbruch mit einem Gemälde oder Foto vergleichen, über dem ein Grauschleier liegt. Das Bild mit seinen Strukturen ist zwar erkennbar, aber es fehlt jede Strahlkraft. Es ist, egal wie gut es komponiert ist, einfach nicht schön.

Ich hatte meine Gefühle immer irgendwie unter dem Schleier des Verstandes.
Es ist nicht gut, wenn jetzt hier wütend werde. Dann denkt man schlecht von mir.
Sei nicht so albern, das gehört sich nicht.
Mäßige dich ein wenig. Denk mal an die anderen, die es nicht so gut haben. (Wie gut, oder nicht gut, ist in dem Falle egal. Wichtig ist ja nur, dass es mir wohl besser geht und ich deshalb gefälligst auch dankbar und bescheiden sein soll.)

Im Nachhinein fühlt es sich an, als wäre immer alles durch den Verstand gedämpft gewesen. Das hat mich ja lange Zeit auch nicht gestört. War ja normal. Ich kannte es nicht anders.
Um mal ein musikalisches Bild zu verwenden: Wenn du Trompete dein Leben lang nur mit Dämpfer spielst, hast du ja keine Ahnung davon, wie geil eine ungestopfte Kanne klingen kann. (Abgesehen davon braucht man in diesem konkreten Fall sogar weniger Kraft, um aus der Tröte einen Ton raus zu holen, wenn kein Dämpfer drauf ist ;))
Ich kenne Menschen, die ihren Dämpfer schon ihr ganzes Leben auf dem Instrument haben und damit gut zurecht kommen. Warum den Dämpfer denn runter nehmen, wenn ich doch schon so viele Jahre damit klarkomme. Wer weiß, wie sich das nachher anhört.


Aber!


Noch viel schlimmer als der Grauschleier war in meinem Fall das Unterdrücken sämtlicher negativer Gefühle mir selbst gegenüber. Ich habe mich einfach immer weiter selbst ausgebeutet, selbst als ich mich schon schwach, kaputt und am Boden gefühlt hab. Verstandesmäßig musste es ja aus meiner Sicht immer weiter gehen. Haus, Familie, Job. Immer weiter. Egal, wie es mir dabei geht. Ich konnte die Gefühlswelt ja komplett Steuern. Dachte ich zumindest ...

Mir egal!

Ich war leer.
Komplett, vollständig, total.
So leer, dass es mir gerade schwer fällt, über diesen Zustand zu schreiben.


Herbst 2011.

Von Unruhe zerfressen, mich selbst verloren und gefühllos. Lasse alles mit mir geschehen.
Ohne Selbstachtung, ohne Selbstliebe.
Unfähig, irgendetwas zu empfinden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Geschenkt!
Die stirbt als allererstes!


Du bist in dieser Klinik. Hast keinen Rhythmus mehr, schläfst am helllichten Tag sechs Stunden am Stück, obwohl du abends schon mit Mirtazapin auf die Glocke gekriegt hast.
Schlaf zieht sich einfach überall durch. Kein erholsamer Schlaf. Sinnloser Schlaf. Schlaf mit der Hoffnung, dass es irgendwann vorbei ist.

Erste Struktur wird wieder möglich durch feste Essenszeiten.
Wozu eigentlich?
Bringt doch sowieso nichts.

Du schläfst den ganzen Tag, dabei scheint doch die Sonne und du musst nicht arbeiten.
Geh doch wenigstens spazieren.
Wozu eigentlich?
Ich wohne im zweiten Stock, Zimmer 307. Ich bin nicht fähig, zwei Etagen Treppen ohne Pause zu steigen. Ich sitze vor der Tür zum ersten Stock.
Nach Luft ringend.
Ich heule nicht. Das geht schon lange nicht mehr. Ich sitze einfach und warte, dass es vorbei geht.

Dann lies doch wenigstens was, wenn du so erschöpft bist.
Wenn ich mehr als meinen Vornamen an einem Stück lesen könnte, würde ich das längst tun. Ich kann mich nicht konzentrieren. Und warum sollte ich lesen? Bringt doch sowieso nichts.

Ich lasse mich gehen. Nehme kiloweise zu, meine Kleidung beginnt mir egal zu werden. Selbstachtungsreste hindern mich daran, im Schlafanzug in den Speisesaal zu gehen.
Aber viel fehlt nicht.
Mir egal!

Und irgendwann sitzt da diese Mitpatientin in der Raucherecke, die meinen Hals innerhalb kürzester Zeit anschwellen lässt. Die geht mir sowas von auf den S..k!

Es vergeht Zeit.
Viel Zeit!
Bis mir die Therapeuten klarmachen, dass das ein Gefühl in meinem Hals war!
Hass!
Blanker Hass!
Kein schönes, kein erwünschtes Gefühl. Aber ein Gefühl.
Nach Wochen der Apathie.
Mittlerweile, nach fast vier Jahren bin ich dieser Frau zutiefst dankbar.
Dankbar dafür, dass ich sie im Januar 2012 hassen durfte.


Heute, im Mai 2015, sitze ich hier und bin wieder dankbar.
Dankbar, dass ich durch meine Krankheit fühlen lernen durfte.
Zuerst nur ganz zaghaft nachschauen, welche Farben es so auf dieser unglaublich bunten Gefühlspalette gibt.
Funktionieren hat ja keine Farben.
Deshalb ist mir diese Palette zu beginn unheimlich und fremd. Da sind Farben vom tiefsten schwarz bis zum knalligsten Pink.
Dann testen, wie sich die einzelnen Farben anfühlen, damit herumexperimentieren.
Und schließlich, für mich ein unglaublich schwerer Schritt (der bis jetzt noch nicht ganz abgeschlossen ist), alle Gefühle Zulassen. Keins davon ist schlecht, verachtenswert, verabscheuenwürdig.
Wut und Zorn sind genauso erlaubt, wie unbändige Albernheit. Ich muss meine Emotionen und Gefühle nicht kontrollieren, nur weil mir irgendjemand einredet, ich müsste das so tun.
Was für ein Blödsinn. Raus damit! Und dann durch alle Konsequenzen hindurchleben, die das mit sich bringt.
Und wisst ihr was? Das macht einen Heidenspaß.
Und ja, wenn es dazu nötig war, einmal durch die Hölle und zurück zu wanken - das war es wert!

Donnerstag, 7. Mai 2015

Kontrollverlust


Es ist Herbst 2011. 6:23 
Wetter? Egal, weiß ich nicht? 
Tag? Was weiß denn ich. 
Ich muss arbeiten. Das weiß ich! 
Ich stehe jeden Morgen um 6:23 auf. 

Im Radio haben sie mal gesagt, das sei die durchschnittliche Aufstehzeit der Deutschen. Irgendwo muss ich ja bitte mal Durchschnitt sein dürfen.

Ich bin müde. Nein, nicht müde. Ich bin zum Umfallen erschöpft. Vermutlich habe ich Ringe um die Augen und bin kreidebleich. Mir doch egal. Es ist 6:23. Arbeit! Du hast dir das Beförderungsverfahren ans Knie getackert. Jetzt mach auch. Das sind 500 Euro. Im Monat!

Heike kommt in die Küche. Sie schaut besorgt.
„Was machst du denn hier?“
„Ich muss arbeiten!“
„So? In dem Zustand?“
„Ich muss arbeiten!“
„Gar nichts musst du. Du musst zum Arzt!“

Sie greift zum Telefon.
Meldet mich krank.
Für sehr lange Zeit.
Mir egal.
Was passiert gerade?
Mir egal.
Was soll ich tun?
Mir egal.
Macht einfach alle.
Ich muss weitermachen.
Bis zum Umfallen - im Herbst 2011 um 6:23


An viel mehr kann ich mich von diesem Tag nicht erinnern. Wir sind zu meiner Hausärztin gefahren, die mich vier Wochen aus dem Verkehr gezogen hat. Ob damals schon das D-Wort fiel, weiß ich nicht. Vermutlich war ich mir noch immer sicher, dass es mir wieder besser gehen würde, wenn ich mich mal vier Wochen richtig ausschlafen könnte.

Was war vorher passiert? In diesem Augenblick war mir nicht klar, was zu diesem Zusammenbruch geführt haben könnte. Ein Innehalten, Reflektieren und Nachdenken war mir nicht möglich. Lediglich Funktionieren hat funktioniert. Funktionieren gibt ein sicheres Korsett. Funktionieren ist toll.

In der Rückschau weiß ich nur, dass mein Körper mir schon vorher deutliche Signale gegeben hat, dass es zu viel war. Das war die Phase, in der ich mich über jede Erkältung und jeden Magen-Darm-Infekt gefreut habe. Gaben sie mir doch eine Entschuldigung vor mir selbst, für kurze Zeit nicht funktionieren zu müssen und trotzdem die Kontrolle zu behalten – zumindest bis zu jenem Tag im Herbst 2011 um 6:23 - als ich die Kontrolle über mein Leben verlor und bis heute darum kämpfe, sie wieder zurück zu gewinnen.

Vorschau wegen Arschtritt

Twitter ist ja dieses komische Dingsi, das mich zu gleichen Teilen fasziniert und bekloppt macht. Zu den faszinierenden Angelegenheiten gehören Unterhaltungen wie diese hier:

Rainer hat es geschafft, mir mit seinem Kommentar zur richtigen Zeit den richtigen Tritt in den Hintern zu verpassen. Danke!

Ich habe das Gefühl, gerade in die Endphase eines Lebensabschnittes einzutreten, der mich geprägt hat, wie kein anderer vorher.
Seit einigen Tagen habe ich das Gefühl, dass ich gerade wieder ein wenig klarer gucken kann und mir deshalb ein paar Gedanken über den Verlauf der letzten vier bis fünf Jahre machen würde, während ich mal nicht bis zum Hals im Dreck stecke. Trotzdem drücke ich mich noch ein wenig davor.

Ich bin mir allerdings sicher, dass es mir hilft, noch einmal zurück zu schauen, auf den Ausbruch der Depression, unser Kennenlernen und unser gemeinsames Zusammenleben. Vielleicht können diese Gedanken auch einen winzigen Teil dazu beitragen, nichtbetroffenen Menschen einen kleinen Einblick in die Tücken einer verrückten Seele zu geben.

Ich freue mich über eure Kommentare, wenn ich demnächst ganz an den Anfang zurückschaue und mir Gedanken über Kontrollverluste mache.

Dienstag, 5. Mai 2015

To a nerd!

Juna warf ja letztens diesen Tweet in die Runde
Erwartungsgemäß erhielt sie darauf ein buntes Spektrum faszinierender Reaktionen, unter anderem einen offenen Brief von Rainer.
Obwohl das Thema Lehrer und Schule bei mir gerade nicht wirklich gut besetzt ist, hat Rainers Post mich motiviert, mal ein paar Gedanken aufzuschreiben, die ich meinem langjährigen Klassenlehrer nie persönlich sagen konnte:



Lieber Herr Minnema,
ich weiß, dass Sie diesen Brief nicht mehr lesen können. Da sie aber zeitlebens ein tiefgläubiger Mensch waren, gehe ich davon aus, dass sie davon ausgehen, dass ich ihnen diese Zeilen irgend eines hoffentlich noch sehr fernen Tages einmal persönlich sagen kann. Wer weiß.

Sie waren unser Klassenlehrer von der 5 bis zur 10 am Görres-Gymnasium in Düsseldorf. Keine Ahnung, wie Sie das hingebogen haben, üblich ist ja etwas anderes.

Seit dem Tag meiner Einschulung am Görres waren sie dieser komische Nerd, der Anfang dreißig im Lodenmantel rumlief, Fagott spielte und lange vor allen anderen an Computern rumschraubte. Dazu waren sie ein begeisterter Wanderer. Alles in allem waren sie das, was man früher Faktotum oder Original nennt - das, was man mal Nerd genannt hat, bevor das Hip wurde.

Ach ja, Modelleisenbahnfreund waren sie auch noch. Coole Sache.

Ich weiß nicht, ob sie der beste Mathelehrer waren, den ich kriegen konnte. Mit Sicherheit nicht. Dazu waren sie zu nachsichtig und lieb mit unserer Scheißklasse. Denn ja, auf dem Mobbingauge waren sie blind. Oder vermutlich unerfahren. Aber als Außenseiter hat mir immer irgendwie imponiert, wie konsequent Sie ihr eigenes Ding gedreht haben.

Vor allem haben sie es hinbekommen, jede, wirklich jede Exkursion für uns genehmigt zu bekommen. Dazu haben sie sich den Stress angetan, jedes Jahr mit uns auf Klassenfahrt zu fahren. Welcher Direktor macht so etwas heute noch mit? Unterricht findet doch nur im Klassenraum statt ...

Vermutlich haben sie mich mit ihrem Verständnis von Unterricht ein für allemal für die Paukschule verdorben ... ;) Typen wie sie hätten es im heutigen Schulsystem sicherlich noch viel schwerer als damals. Deshalb bin ich froh, dass ich sie kennen lernen durfte.

Beste Grüße in welches Paradies auch immer
Martin Ingenhoven

Montag, 4. Mai 2015

A long time ago in a man cave far far away

Unserem kleinen Provinzblog aus dem Outer Rim ist es gelungen, Licht in den Entstehungsprozess einer zentralen Szene aus Episode I "The phantom menace" zu bringen.


Die Ereignisse, die zum Tode Darth Mauls führten wurden offenbar in einem leicht angestaubten, kleinen dänischen Filmstudio realisiert:


Der große George Lucas selbst ist seit diesem Dreh dänischer Staatsbürger und hat, wie unser geheimes Fotomaterial nahelegt, die charakteristische Form aller dänischen Untertanen angenommen:


In diesem Sinne möge die Macht mit euch allen sein, egal ob Kindskopf oder nicht.



Freitag, 17. April 2015

Und wieder schmerzlicher Zuwachs bei der himmlischen Session

Wie ich erst jetzt gelesen habe, ist der großartige Jim McCann am 5. März 2015 verstorben.
Jim war in den 70er Jahren eine Zeitlang Mitglied der Dubliners und dort vor allem für die gefühlvollen Balladen zuständig. Ich hatte das große Glück, ihn Anfange der 2000er Jahre noch einmal singen hören zu dürfen, als er sich der Band zur Jubiläumstour kurzzeitig wieder anschloss.
Kurz darauf verlor Jim McCann seine wundervolle Stimme durch Kehlkopfkrebs. Auch nach seiner Genesung trat McCann noch vereinzelt als Gitarrist auf und blieb den Dubliners als Conferencier und Fotograf verbunden.

Jim, schau zu, dass du deinen Freund Luke Kelly da oben schnell wieder findest und mischt den Engelschor mal ein wenig auf.

 

 

Dienstag, 14. April 2015

Wassenachovision Flashmobcontest

Aufgrund akuter Schlaflosigkeit habe ich diese Nacht zwischen zwei und drei den ersten Wassenachovision Flashmobcontest (WFC) veranstaltet. Die einköpfige Jury freut sich, Flashmobs in den folgenden Kategorien auszeichnen zu dürfen:

Sieger in der Kategorie Kahlköpfige Kontrabassisten:

Der Preis in der Kategorie Plötzliches Piccolospiel geht in diesem Jahr nach England:


In der Kategorie Kenn ich sogar eine von persönlich geht der Preis nach Neuss oder Willich, Wurst. Jedenfalls da oben hin, wo die Rüben wachsen:


In der Sonderkategorie Flashmob oder nicht geht der Preis an diesen kommerziellen Klassiker:

Und schließlich die Kategorie Dirigentische Daseinsberechtigung. Hier gewinnt eindeutig das WDR-Rundfunkorchester:

Samstag, 11. April 2015

Nein, ich werde es nicht tun

Ich werde nicht schon wieder mit Wut im Bauch einen Artikel zum Thema Depression und Hexenjagd schreiben, obwohl mich der bayrische Innenpfosten doch extremst triggert. Sachliche Gedanken dazu könnt ihr bei einem Freund aus Bayern lesen, der des Denkens durchaus sehr mächtig ist. Dass er damit zu einer Minderheit gehört, ist ebenfalls im verlinkten Artikel der Süddeutschen zu lesen. Die wollen wissen, dass 58% der Bevölkerung den Stuss vom Herrmann toll finden. Armes Deutschland. Du hast ein Riesenproblem.
Was kommt als nächstes? Müssen depressive Menschen sich demnächst einen schwarzen Winkel ins Jankerl pappen?

Montag, 30. März 2015

Vertrauen oder nicht

Ich möchte heute mit euch einige Beobachtungen teilen und daraus ein paar Gedanken ableiten. Dazu lehne ich mich, der Struktur halber, an den dialektischen Dreischritt an. In der These bin ich mir nicht zu schade, den Godwin zu geben. In der Antithese möchte ich auf einige Fallbeispiele und eigene Erfahrungen zu sprechen kommen. In der Synthese möchte ich abschließend versuchen, einige Alternativen im Umgang mit psychischen Erkrankungen aufzuzeigen.

These:
Teile dessen, was bis letzte Woche als "seriöse Presse" bekannt war, beginnt zurückzurudern und meint jetzt, "fundierte" Artikel zum Thema Depression schreiben zu müssen. (Anmerkung: Indizien sind keine Fakten.) Ich werde auf diese Artikel nicht verlinken, weil ich keine Klickzahlen generieren möchte, und niemanden triggern möchte, nur weil ich auf teils menschenverachtendes Gedankengut in den Leserkommentarspalten verlinke. (Wen es interessiert, der werfe die allwissende Müllhalde seiner Wahl an.) In der aufgeheizten Stimmung, die die Presse erzeugt hat (die englische Boulevardpresse ist übrigens noch viel schamloser.) war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwelche B-Politiker ihre Forderungen herausposaunen. So auch ein Herr Fischer, selbst ernannter Gesundheitsexperte und Vertreter der These, dass nun die ärztliche Schweigepflicht aufzuheben sei.

Herr Fischer, das letzte mal, als es in Deutschland keine Schweigepflicht für psychische Erkrankungen gab ... merken Sie selber, oder?

Antithese
Über Depression und andere psychische Erkrankungen zu schreiben und zu sprechen, fällt schwer, weil es mindestestens soviele Krankheitsausprägungen und Ursachen wie Betroffene gibt. Es gibt nicht "DIE Depression", "DAS Borderlinesyndrom" oder "DIE Suizidalität". Es gilt also zu differenzieren, abzuwägen und genau hinzuschauen. All dies ist in den letzten Tagen auf der Strecke geblieben. (Schlagzeilen eignen sich nun mal schlecht für Differenzierungen.) Ich kann hier also auch nur von mir oder von mir bekannten Fällen erzählen:

Ich habe in meinem Leben bereits zwei Klinikaufenthalte hinter mir. Beim ersten mal, 2011, hatte ich das unglaubliche Glück, an eine Privatklinik geraten zu sein. Im November 2014 war ich fünf Wochen in der Klinik Lahnhöhe, einem Krankenhaus, das als Akutkrankenhaus ausgewiesen ist. Trotzdem verzögerte sich meine Aufnahme im mehrere Wochen, weil die private Krankenkasse eine direkte Aufnahme verweigerte und sich eine Prüfung vorbehielt. Dass ich in diese Wochen einigermaßen überstanden habe, verdanke ich meiner Frau. Danke dafür!
Hätte ich mir stattdessen ein Bein gebrochen, hätte hier in Wassenach innerhalb weniger Minuten ein Hubschrauber auf der Wiese gestanden.

Heute hat mir eine Freundin berichtet, dass sie nach langer Zeit wieder eine Stelle als technische Zeichnerin angetreten hatte. Nach einem Ausfalltag war sie so ehrlich, ihren Chef der vor der Einstellung bescheid wusste) ins Vertrauen zu ziehen und hatte ihm den Vorschlag gemacht, dass sie an solchen Tagen im home office zeichnen könnte. Der Vorschlag wurde abgelehnt mit den Worten, dass sie sich lieber krank melden solle, dass käme ihn billiger. Da steht wohl demnächst eine Kündigung an.

Auf Twitter musste ich letztens auf die Frage, wie man mit einer längeren Auszeit durch Depresion umgehen solle, allen Ernstes die Antwort lesen "Sag, du hast ein Sabbatjahr genommen, aber sag um Himmels willen nicht die Wahrheit."

Das sind drei Einzelschicksale, die ich dennoch für symptomatisch im Umgang mit psychischen Krankheiten halte.

Synthese
Ich durfte in den letzten Jahren viele Menschen mit einer Depression kennen lernen. Zu einigen habe ich noch Kontakt, andere Bekanntschaften sind irgendwann versandet. Ich möchte keine dieser Begegnungen missen.
Und! Keiner dieser Menschen ist erstens freiwillig krank geworden und zweitens hat keiner dieser Menschen seine Krankheit aus freien Stücken unter Verschluss gehalten. Viele hatten und haben unglaubliche Schamgefühle, manche hatten panische Angst vor der Reaktion ihrer Mitmenschen, viele hatten oder haben Existenzängste und manche fühlen sich von ihrem Umfeld nicht ernst genommen, mit der fatalen Folge, dass sie sich und ihre Krankheit selbst nicht ernst nehmen. (Um auf das gebrochenen Bein zurückzukommen: Im Traum würde das niemandem Einfallen. Da würde irgendwann der Stift zum Unterschreiben rumgereicht.)

Vielen psychisch Kranken fehlt das Vertrauen in ihre Mitmenschen. Bei mir rührt es daher, dass viele Verletzungen einfach zu tief sitzen und das Vertrauen in die eigene Person in weiten Teilen stark gestört, oder nicht vorhanden ist.

Auf der anderen Seite scheint vielen "Normalos" das Vertrauen in die Fähigkeiten psychisch kranker Menschen zu fehlen - die Fähigkeit zu sprechen. Wie sonst sollte ich die Äußerungen eines Herrn Fischer verstehen.
In einigen Gesprächen mit gesunden konnte ich heraushören, dass da blanke Angst sitzt. Durchaus berechtigte Angst, denn jeden von uns kann es umhauen. Vor allem die, denen man es niemals im Leben zugetraut hätte, die, denen man nachsagt, aus einem "guten Elternhaus" zu kommen, oder die, die man immer als fröhliche Menschen erlebt hat. Ist es dieses Klima der Angst und Unsicherheit, die Menschen zu einem Satz bewegt "Wenn sie schwanger von ihm ist, schuldet sie der Menschheit eine Abtreibung." (Nein, ich werde auch diesen Tweet nicht verlinken!)

Wie wäre es stattdessen, ein Klima des Vertrauens aufzubauen. Ein Klima in dem man(n) sich nicht mehr seiner Schwächen schämen muss. Eine Gesellschaft, die darauf vertraut, dass psychisch kranke Menschen berichten, wie ihnen zu Mute ist, ohne existenzielle Konsequenzen befürchten zu müssen. Eine Gesellschaft, in der nicht nur der Starke zählt. Eine Gesellschaft, in der ich nicht jedes Jahr einen neuen Antrang auf Psychotherapie stellen muss, aber Physiotherapie an jeder Ecke bekomme. Eine Gesellschaft, die sich der Angst vor psychischen Erkrankungen stellt, in der Depressive angstfrei ihre Erfahrungen teilen können und man ihnen vorurteilsfrei zuhört.
Eine solche Gesellschaft würde Äußerungen wie die des Herrn Fischer überflüssig machen, weil ein echter vertrauensvoller Dialog zwischen Kranken und Gesunden entstehen würde.

Samstag, 28. März 2015

Versuch, die Gedanken zu ordnen

Genau die Frage stellt sich mir seit einigen Stunden.

Ja, ich bin fassungslos. Fassungslos, dass 150 Menschen tot sind. Kinder, Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Menschen mit Freunden und Familien, denen ein Leid widerfahren ist, von dem ich nicht weiß, wie ich damit umgehen würde.

Fassungslos über mich, weil ich nicht verstehe, dass mich der Tod dieser 150 Menschen mehr berührt, als 150 tote Flüchtlinge vor Lampedusa. (Nein, ich will hier kein Leid gegeneinander aufrechnen, ich war nur von meinen eigenen Mechanismen geschockt.)

Ich bin fassungslos darüber, was sich gerade in Teilen unserer Gesellschaft abspielt.

Mir war am Dienstag relativ schnell klar, dass ich Twitter meiden würde. Mir war klar, dass ich all die sinnlosen RIP-Tweets nicht ertragen würde. Ich versuchte es zumindest. Aber warum, der Wahnsinn ist doch überall.
Ja, es sind 150 Menschen tot!

Ja, es gibt einen starken Verdacht, dass es einen Menschen gibt, der dieses Unglück herbeigeführt hat.

Aber ich bin fassungslos, ob der Menschenjagd, ob des unqualifizierten Mülls und ob der Stigmatisierung psychisch kranker Menschen. Und nein, es ist nicht nur die BLÖD-Zeitung, die sich an einem mutmaßlich kranken Menschen aufgeilt, auch wenn die ersten Zeitungen mittlerweile zurückrudern und das Adenauersche Motto leben: "Dat hab ich nich jesacht, und wen ich et so jesacht hab, hab ich et nich so jemeint." Beides ist schändlich, menschenverachtend, widerlich ... Dasselbe gilt übrigens auch für die kruden Verschwörungstheorien, die natürlich nicht ausbleiben.

Lassen wir doch bitte mal kurz zwei Szenarien annehmen. Nur so, weil zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht alle Fakten bekannt sind. (Achtung: Indizien sind keine Fakten!)

Szenario 1: Der Grund für den Flugzeugabsturz war eben nicht der Copilot. Wie bitte will die Presse, wie bitte will jeder Journalist, der gerade vor Geilheit triefend in Haltern, Montabaur oder Düsseldorf abhängt, jemals wieder irgendjemandem ins Gesicht schauen? Nur mal so als Frage dahin gestellt ...

Szenario 2: Ja, der Copilot hatte gesundheitliche Probleme, und ja, es waren psychische Probleme. Könnt ihr euch (ja ich weiß, es sind 150 Menschen tot) bitte nur mal ganz kurz vorstellen, welche Höllenqualen ein Mensch jahrelang gelitten haben muss, der zu einer solchen Tat fähig ist? (Psychopath, psychotisch, Depressiv spielt da fast keine Rolle.) Solch ein Mensch muss völlig verzweifelt gewesen sein! Könnt ihr euch bitte ganz kurz vorstellen, wie es den direkten Angehörigen geht? Angehörige psychisch kranker Menschen leiden mit, vorher und jetzt erst recht. Sollte es wirklich gelingen, dass ein Mensch eine pychische Erkrankung jahrelang perfekt versteckt (ja, das geht. sehr gut sogar), wie groß muss der Schock, wie schwer die Selbstvorwürfe danach sein?

Ich verachte jeden Journalisten, der in Montabaur abhängt! Lasst diese Menschen in Ruhe!

Und ja, liebe BLÖD-Zeitungsschmierfinken, ich bin fassungslos. Nach einem Amoklauf sind es Autisten, jetzt ist es ein Depressiver. Fein, da ist ja der Schuldige. Weiter im Text, wo ist die nächste Sau zum Durchsdorftreiben. Ich verachte euch zutiefst für jeden einzelnen Buchstaben, den ihr bis hierhin geschmiert habt (und ja, ich schließe da einen sehr großen Teil der deutschen Presse und Fernsehlandschaft mit ein).

Für zwei Wochen sind wir Psychos jetzt die Monster, spätestens nach Ostern sind wir wieder die, die sich nicht so anstellen sollen und die, die müde auf Krankenschein sind.

Bitte belehrt mich eines Besseren.

Bitte!

Donnerstag, 19. März 2015

Breaking: Sonnenfinsternis fällt wegen Idiotie und Panik aus

Tach! Ich hab Hals! Massiv!

Sachliche Artikel zur Sonnenfinsternis und dem ganzen Wahnsinn gibt es hier und hier. Ich bin stinksauer. Erwarten Sie nicht zu viel Sachlichkeit.

Und jetzt los:

Liebe Pressemenschen,
11. August 1999 klingelt da was? Ich war damals Lehramtsstudent für die Fächer Biologie und Chemie. Selbstverständlich haben wir da den elterlichen Kombi gekapert und sind in die Kernzone ins Saarland gefahren. Im Vorfeld hatte die Presse die nötige Begeisterung und Neugier in der Bevölkerung geweckt. An der Schule, an der ich damals hospitierte, war das Ereignis ein Riesenthema in fast ALLEN Fächern.

Und heute?
Die Presse ist sich nicht zu blöde, von irgendwelchen Netzausfällen zu salbadern, weil wir ja jetzt verstärkt auf die ach so böse Solarenergie setzen. (Was zahlen Vattenfall, eon und co. eigenlich für solche Artikel?)
Begeisterung? Warum denn? Alles ist gefährlich, alles ist Krise, alles ist Panik! Die Maya haben sich verrechnet! Wir werden alle sterben! So!

Liebe Pädagogen,
(vom einfachen Lehrer, bis zum Ministeriumswilli) jammert bitte ab morgen nie nie nie nie nie wieder über fehlenden MINT-Nachwuchs. Nie mehr! Klar?
Euch schwappt da morgen ein Ereignis in euren Unterricht, aus dem man so richtig was machen könnte. (Physik, Geschichte, Deutsch, Mathe, Musik ... nur mal ein paar Bezüge, ohne groß zu denken.)

Und was passiert morgen in großem Stil?
Pausen werden verlegt, Kinder müssen sich verkriechen, Panik allerorten. Leute! Das ist nicht der Angriff der "Dreibeinigen Herrscher" und auch nicht der "Pfarrer mit den Laseraugen" (Meteor-Horrorserie - für Menschen, die keine Trashhörspiele lieben).
Zufällig könnte ja, so glaubt ihr, ein Kind direkt in die Sonne schauen.

Bitte glaubt mir: So blöd ist kein Kind. So eine Scheiße entspringt nur überbesorgten Theoretikerhirnen. Oder sollte es einigen wenigen von euch sogar ganz lieb sein, morgen keine wertvolle Unterrichtszeit zu verplempern, weil man sonst im Sommer mit dem Stofff nicht durch ist. (Böse Unterstellung ...) Soviel zu eurem Bildungsauftrag!

Liebe Helikoptereltern,
morgen spielt sich ein astronomisches Phänomen ab, bei dem die Erde in den Schatten des Mondes eintritt, vulgo sich der Mond vor die Sonne schiebt. Global gesehen ist das nicht unbedingt selten, das stimmt. Aber da ihr eure Kinder ja sowieso am liebsten anleint und im Zimmerchen lasst, wo nichts passieren kann, werden sie vermutlich niemals erfahren, was am 20.März 2015 passiert ist. Aber das ist ja sowieso egal. Denn:

MORGEN GEHT DIE WELT UNTER!

Donnerstag, 12. März 2015

Ein Gespräch, das mich tief bewegt hat

Am letzten Wochenende hatte ich mit unserer vierjährigen Tochter ein wenig Zeit in Koblenz verbracht.  Bei herrlichem Wetter sind wir zur Seilbahn gelaufen, um oben auf der Festung den Spielplatz unsicher zu machen.

Auf dem Weg vom Zentralplatz zur Seilbahn kommt man am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz vorbei.

Sie (rennt los): Papa, was sind das für Felsen?
Er (prustet ahnungslos hinterher)

Die kleine Merkt, dass dieser Platz etwas besonderes ist, zumal überall an den Gittern Fotos und schwarze Tücher hängen. Ich weiß genau, was jetzt kommt und suche fieberhaft nach einer Erklärung.

Sie: Papa? Das ist kein Spielplatz, oder? Was sind das für Bilder? Und warum hängen da Tücher?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Kindern, wenn sie fragen mit der Antwort "Das musst du noch nicht wissen!" keinerlei gefallen tut. Aber so gar keinen. Also ergab sich, mitten im Mahnmal stehend, das folgende Gespräch.

Er: Also, wenn wir etwas miteinander entscheiden wollen, das uns alle angeht, dann machen wir einen Familienrat, oder?

Sie: Genau, und dann darf ich was sagen, und du und die Mama. Und dann überlegen wir.

Er: Genau so. Ganz früher gab es aber in Deutschland einmal eine Zeit, in der die Menschen in der Regierung ...

Sie: Was ist das?

Er: Du weißt doch noch, als wir zur Wahl gegangen sind, weil Mama sich in den Gemeinderat wählen lassen wollte. Sozusagen die Dorfregierung, oder der Familienrat für Wassenach.

Sie: Ja klar.

Er: Also, es gab mal eine ganz schlimme Zeit, als die Leute in der Regierung Angst davor hatten, dass alle Menschen ihre Meinung gesagt haben, um dann gemeinsam darüber zu entscheiden. Und die, die trotzdem ihre Meinung gesagt haben, die kamen ins Gefängnis.

Sie: Sind das die auf den Bildern an den Gefängnisgittern hier?

Er: Ja

Wohlwissend, dass dieses Gespräch noch nicht zuende ist, wir aber bereits wieder in Richtung Rhein unterwegs sind, denke ich angestrengt nach, was jetzt kommen könnte.

Sie: Papa, wann war diese Zeit?

Er: Die Zeit war vorbei, als der Opa Hansi fast so alt war wie du. Drei Jahre.

Sie: Musste der Opa Hansi da auch ins Gefängnis.

Er: Nein, zum Glück nicht.

- lange Nachdenkpause -

Sie: Du Papa, ich will nie mehr, dass so eine Zeit nochmal kommt. Ja?


Ich bin ob dieses scheinbar simplen Wunsches immer wieder fasziniert und werde mein bestes tun, ihn zu erfüllen. Versprochen!

Dienstag, 24. Februar 2015

Noch eine Leseempfehlung

Nathan hat sich dankenswerterweise mal in eine Veranstaltung von Frau von Storch (AfD) gesetzt und das ganze akribisch mitgeschrieben.
Wem also nach einem sagenhaften, surealen Stück Rocky Horror Show ist, dem möchte ich einen Blick in Nathans Blog ans Herz legen. Es lohnt sich.

P.S.: Meine Lieblingsstelle sind die Publikumsreaktionen auf Nathans Fragen! Ganz großes Ohrenkino! Danke dafür.

Montag, 23. Februar 2015

Vorratsdatenspeicherung ist doch Pipifax

Nachdem ja wieder die üblichen Pawlowschen Hunde nach der Vorratsdatenspeichung sabbern, die in den letzten Monaten allerhöchstwahrscheinlich so gar nichts verhindert hätte, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das ganze #VDS-Gesummsel ein unwirksames Instrument ist.
Ich hätte da einen anderen Vorschlag zu machen:

Vorratsdatenspeicherung trifft ja nur den Teil der Gesellschaft, der telefoniert und dieses subversive Pack im Internet. Was aber ist mit all denen, die sich dem verweigern. Könnte man da nicht irgendein Gesetz verabschieden, das alle Baumaterialien außer Glas in Häusern verbietet? Ließe sich doch wahlweise irgendwie ökologisch begründen, so mit Recycling und so, oder eben noch besser mit Sicherheit. Genau! Wenn was passiert im Haushalt, kann man es direkt sehen. Vor den Nachbarn habe ich ja sowieso nichts zu verbergen. Und neunzig Prozent aller Unfälle passieren doch im Haushalt.
Das wäre doch enorm hilfreich, wenn man mal von der Leiter stürzt. Und wenn man doch sowieso nichts zu verbergen hat, ist der Sicherheitsgewinn doch enorm. Der Notarzt könnte ja viel früher da sein. Das würde echt Leben retten. Und wenn jemand doch glaubt,was verbergen zu müssen, bekommt es der Rettungssanitäter ja sowieso mit. Man ist dann ja doch eher hilflos.

Ach, und wo sie gerade sagen "Rettungssanitäter"! Das könnte man doch auch so optimieren, dass die wirklich nur noch zu wichtigen Einsätzen raus gerufen werden. Da müsste man doch präventiv tätig werden.
Zum Beispiel Sexunfälle. Sowas unnormales. Igitt! Ich mein, welcher Sani will denn sehen, wenn sich da zweie verknotet haben, womöglich noch mit Handschellen am Heizungsrohr klemmen? Eventuell sogar zwei Männer! Das will doch keiner sehen. Als davor müssen hart arbeitende Menschen doch geschützt werden. Das ist ja wohl das mindeste.

Wie wäre es deshalb mit Kameraüberwachung? So Schlafzimmer, Küchentisch, Sofa. Die üblichen Ecken halt. Angeschlossen wäre selbstverständlich eine Software, die automatisch verdächtiges Verhalten erkennt und dann vielleicht so einen lauten Warnton ausstößt: Unnormales Verhalten? Trööööööööööt!
Das könnte ja drei mal passieren und dann könnte ja ein harter Strahl mit eiskaltem Wasser ausgelöst werden.
Ich mein, das wären die dann selber Schuld. Die müssen sich doch in ihrer Perversion nirgendwo anketten oder irgendwas machen, was eventuell gefährlich sein kann. Und wenn man die Allgemeinheit doch vor sowas schützen könnte ...

Also ich fänd sowas gut. Ich hab ja auch nix zu verbergen.

Sonntag, 22. Februar 2015

Leseempfehlung

Der Rainer hat wieder ein Ding ausgebuddelt, da glaubst du nicht, ob es auf diesem Planeten vernunftbegabtes Leben gibt. Vor allem, wenn man dann noch aus Anitas Kommentar entnehmen kann, dass diese alpenländische Qualitätspostille nicht die einzige Zeitung mit dieser Meldung war.



Der Autor tritt kopfschüttelnd ab und denkt an Nathan. Alles anzünden, gern auch so manches Lichtlein ...

Samstag, 7. Februar 2015

Wenn zwei sich auf eine Tonart einigen ...

... und dann auch noch schweinegut und in bester Stimung sind, bei dem was sie tun, dann passiert Musik:

Der Herr an der Gitarre ist Eamonn Campbell und hat in Irland so ziemlich alles produziert, was musikalischen Rang und Namen hat.
Gerrry O'Connor ist für mich neben Bela Fleck der derzeit beste Banjospieler. Auf seine Mucke mit Joe Bonamassa habe ich ja schon mal hingewiesen.

Sonntag, 1. Februar 2015

1000 Tode schreiben

Der folgende Text ist mein Beitrag zum Buchprojekt "1000 Tode schreiben"
Ich widme ihn den wundervollen Menschen, die ich im letzten November kennen lernen durfte.


Cornelia ist tot. Einfach so.
Also natürlich nicht einfach so. Aber so plötzlich. Gestern waren wir noch unten im Raucherpavillon. Wir haben geredet und geraucht, wie immer. Cornelia war verschlossen, ich habe sie ermutigt, von sich zu erzählen. Sie hat nie viel von sich erzählt. Von einer fatalen Entscheidung vor drei Wochen war immer die Rede. Welche Entscheidung das genau war, habe ich nie herausgefunden.
Heute morgen war ich wieder zum Rauchen unten und Cornelia hat gefehlt. Verschlafen, dachte ich. Als ich wieder oben war, hieß es: Stationsversammlung.

Cornelia ist tot. Einfach so.
Klar, das hier ist eine psychosomatische Klinik. Da passiert so etwas. Die Ärzte haben uns auch versucht, zu erklären, dass keiner von uns Schuld trägt, dass selbst sie als Ärzte Cornelias Tod nicht haben kommen sehen. Von einem Unfall war die Rede.
Unfall, Unfall! Das kann alles heißen. Verkehrsunfall, Zugunfall, sogar Medikamentenmissbrauch zählt bei der Polizei erst einmal als Unfall. Das war mir lange nicht bekannt.
Am Nachmittag machte dann eine Information die Runde. Natürlich nichts Offizielles, nur über den Flurfunk. Cornelia sei gesprungen, vom Altenheim. Die Polizei kenne den Platz. Aber ändert das etwas für uns? Ist es wichtig, wie sie starb? Ist das Warum nicht entscheidend?

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wir konnten das nicht packen, nicht begreifen. Wollten nicht wahrhaben. Langsam, ganz langsam hat jeder einzelne von uns erzählt, wann er selber einmal vor der Entscheidung stand, zu springen. Mal wurde heimlich in einer Ecke gesprochen, mal in Gruppen. Wir waren viele, und das hat geholfen. Zumindest hat es Cornelias Tod für uns geändert. Wir waren nicht mehr sprachlos, nicht mehr in unseren eigenen Schneckenhäusern vergraben. Für zwei Tage hat Cornelias Tod unsere Panzer zerstört.
Kann man deshalb sagen, dass ihr Tod einen Sinn hatte? Dürfen wir das? Wir kannten sie kaum. Eine Klinik ist so anonym.

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wer war sie? Cornelia wirkte immer wie ein Geist. Wie ein geschlagener, geknechteter Geist. Und sie hat geraucht. Selbst gedrehtes Kraut. Und sie hatte diese alten Klamotten an. Schimanskijacke.
Aber wer war sie wirklich? Ich kannte sie nicht. Keiner von uns kannte sie. Aber Cornelia war immer da. Wir hatten sie gern bei uns in der Raucherecke, wo die Entspannten herumstehen. Ob Cornelia das wusste, ob sie es jetzt weiß? Waren wir sowieso machtlos? Oder haben wir ihr einfach nie das Gefühl gegeben, zu uns zu gehören. Fragen, die bleiben werden. Und jetzt?

Cornelia ist tot. Einfach so.
Wir haben sie nie mehr gesehen. Der Tod ist eben klinisch. Welche Ironie!
Und wir? Am dritten Tag haben wir angefangen, uns zu streiten. Dürfen wir noch trauern? Müssen wir trauern? Was bedeutet ihr Tod für uns? Was darf er bedeuten? Wer hat die Deutungshoheit? Warum ist sie gestorben? Was wollte sie uns damit sagen?
Streit? Das wollte sie doch sicher nicht. Oder doch? Wir kannten Cornelia nicht, aber sie war wichtig für uns. Gerade im Tod. Welche Ironie.

Dienstag, 13. Januar 2015

Automatismen

Im Nachtrag auf meinen gestrigen Post möchte ich hier einen kurzen Ausschnitt aus einer noch etwas längeren Twitterdiskussion zeigen.
Ich denke, dass an diesem kleinen Schnipsel die Automatismen, die ich gestern anriss noch einmal auf den Punkt gebracht werden:

Wie schon gesagt: Danke Tad!

Montag, 12. Januar 2015

Ich will Geduld! Sofort!

I've got the Blues, baby. Und zwar so what from, völlig unabhängig von dem, was gerade so in der Welt passiert. Es gibt andere, die können sich da wesentlich bessere Gedanken machen, als ich im Moment.
Mein Leben besteht derzeit aus Warten. Lähmendem, quälendem, kräftezehrendem Warten.

Nachdem 2014 für mich ein sehr einschneidendes Jahr war, in dem eine unglaubliche Menge für mich passiert ist und das im November einen neuen Klinikaufenthalt mit sich brachte, warte ich jetzt eben.
Ich warte auf einen Abschlussbericht der Klinik, ich warte auf einen Termin beim Amtsarzt, ich warte, dass ich meinen Tagesablauf endlich wieder so hinbekomme, wie ich es tief in mir drin möchte.

Ja klar, es gibt jeden Tag kleine Fortschritte. Gestern zum Beispiel ist es mir gelungen, trotz einer völlig durchwachten Nacht am Nachmittag noch vor die Haustür zu gehen. Jippieh! Ich habe es gerade geschafft, die Wohnung zu staubsaugen (Staub zu saugen? Wurst!).

Und trotzdem kommt da immer wieder diese kleine Stimme, die mir sagt: "Martin, das war doch nichts. Du musst noch mehr schaffen. Viel mehr und viel schneller." Und ich kann euch sagen: Diese Stimme nervt. Und sie macht mich müde. Und sie hat so viele Namen: Ungeduld, Selbstzweifel, Selbstmissachtung, Selbstverletzung, Qual. Wenn ich sie nur abstellen könnte!
Leider funktioniert das Abstellen nur sehr bedingt. Jedesmal, wenn es mir für einen gewissen Zeitraum gelingt, kommt diese kleine Scheißerin wieder zurück und schreit mich dann um so lauter an: "Ey, Arsch! Was fällt dir ein, mich zu ignorieren!"

Bleibt also nur der Dialog mit dieser Stimme, diesem Selbstanteil. Meine Art von Dialog ist derzeit ein kleines Tagebüchlein, in dem ich jeden Tag einige Dinge versuche zu notieren, die mir gut getan haben.
Das fällt mir schwer genug, weil es ein bewusster, anstrengender Schritt gegen all meine Mechanismen und Verhaltensmuster ist. Aber, dass ich mir hier gerade Luft gemacht habe, gehört definitiv dazu.

Montag, 5. Januar 2015

Lesealarm

Mein Freund Rainer hat etwas ausgegraben, das uns der schönen neuen Welt wieder ein Stück näher bringt. Natürlich alles nur zu unserer eigenen Sicherheit. Ist doch klar! Denn in Großbritannien können jetzt schon Vorschulkinder Terroristen sein. Terrorini, oder so.

Ich bin derweil kotzen. Im Strahl. Langanhaltend.