Sonntag, 27. Juli 2014

Weltfremd oder ferngesteuert?

Liebe Analognerds,

ich besuche regelmäßig ein Fitnessstudio, weil ich dadurch meine Rückenschmerzen spürbar lindern kann. Wenn ich einem Freund oder einer Freundin von diesem Fitnessstudio erzähle, weil ich glaube, dass der- oder diejenige dort ebenfalls ganz gut aufgehoben wäre, kann ich zur Unterstützung ein Prospekt, eine Preisliste, einen Kursplan oder ein paar Fotos zur Hilfe nehmen, um meine Aussagen zu unterstützen. Kommt es aufgrund meiner Empfehlung zu einem Vertragsabschluss zwischen der Person und meiner Muckibude, bekomme ich als Prämie ein Handtuch, einen Saunagutschein oder vielleicht sogar einen Monat freies Training. Ihr kennt das bestimmt. Funktioniert übrigens auch bei Zeitschriftenabos und ähnlichem ...

In der digitalen Welt ist das ein wenig anders. Dort ist es seit letztem Jahr so, dass ich - um in der Analogwelt zu bleiben - keinerlei Prospekte, Preislisten oder sonstige Sachen mehr vorzeigen darf, ohne eine Lizenzgebühr zu bezahlen. Das nennt sich Leistungsschutzrecht und gilt (wenn man da überhaupt von gelten sprechen kann) seit 2013. Nochmal: Wenn ich jemandem etwas empfehlen möchte, kann es unter Umständen dazu kommen, dass ich dafür als Empfehlender bezahlen muss.

Wenn ihr jetzt zu dem Schluss gekommen seid, dass man als Gesetzgeber eigentlich nicht einen noch größeren an der Klatsche haben kann, dürft ihr mal gespannt nach Spanien schauen. Dort ist eine Lizenzgebühr schon fällig, wenn ich - um mal in der Analogwelt zu bleiben - nur Name und Adresse meines Fitnessstudios nenne, um möglicherweise einen neuen Kunden zu gewinnen. Um dem Fass den Zacken aus der Krone zu schießen, wird dieser Irrsinn damit begründet, dass man verhindern will, dass mir irgendjemand die Adresse eines Hehlers verraten kann, der mir gestohlene Bücher anbietet.

Sach ma, haben die se noch alle!

Herzliche Sonntagsgrüße
Martin

P.S.: Das hier ist mein Fitnessstudio. Ganz lizenzfrei.

Sonntag, 20. Juli 2014

Heimschule Wassenach



Oberhalb von Kell und Wassenach liegt die Ruine der ehemaligen Heimschule Wassenach.
Sie wurde 1928 in katholischer Trägerschaft errichtet und vereinigte Gymnasium und Realgymnasium unter einem Dach.


Von den ursprünglich geplanten drei Flügeln wurde nur einer gebaut, dessen Rückseite noch heute zugänglich ist. Das Hauptportal liegt versteckt in einem Wäldchen auf Privatgrund.


1934/35 wurde der Schulbetrieb durch den kirchlichen Träger eingestellt und die Schule wurde zu einer "Heimstätte für Mädchen". Bis 1944 mussten Mädchen hier ihr Landjahr zur Unterstützung von Landfrauen und kinderreichen Familien ableisten.
Ab 1944 wurden in den angrenzenden Wäldern V1-Raketen montiert; die Heimschule war fortan geschlossen.


Versuche, nach dem Krieg in dem Gebäude ein Landschulheim einzurichten, scheiterten, da die Schule über keinen Wasseranschluss verfügt.


Heute dient das immer stärker verfallende Gebäude der örtlichen Jugend als wildromantischer und abenteuerlicher Partyplatz.