Montag, 31. März 2014

Töchter, Zecken und Bananen

Widmung
Diese wahre Geschichte ist eine Art comic relief zu dem, was Julia Schönborn gestern widerfahren ist. Ihr und ihrer Familie widme ich diesen Text. Gute Besserung, kleiner Mann! Und vergiss niemals das Wörtchen „Nein“. Es ist wichtig!

Vorweg
Wer mich kennt weiß es bereits, alle anderen erfahren es jetzt:

Ich hasse Obst! Aber sowas von!

Ich nehme Obst höchstens in vergorener Form zu mir, und das auch nur in Maßen. Alles andere wird von mir seit frühester Kindheit inbrünstig verabscheut. Ich habe sogar für jedes Obst eine Erklärung parat, warum ich es nicht ausstehen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Mein Alibiobst sind übrigens Tomaten, botanisch gesehen zumindest...
Ach ja, und das alleralleraller- wirklich allerwiderlichste ist der Geruch von Bananen. Den rieche ich 150 Kilometer gegen den Wind. Und da hilft auch nur sofortige Behandlung der Nasenschläumhäute mit Tigerbalsam (Schichtdicke mindestens ein Zentimeter) um diesen Gestank irgendwie wieder los zu werden. Bananengestank geht gar nicht. Null! Keine Kompromisse! Keine! Gar keine! Klar? Gut.

Es geht los
Es war vor...na, sagen wir mal zweieinhalb Jahren, als unsere Tochter so richtig laufen konnte. Da wir so ziemlich am Busen der Natur wohnen, ist der Wald auch nicht weit entfernt, und Stöcke und Kinder... Ihr wisst, was ich meine.
Ich schnappe mir also irgendwann nachmittags den Nachwuchs mit den Worten: „Komm Kind, wir spielen Jungleerforscher!“
Was hatten wir einen feinen Nachmittag, mit Balancieren auf umgekippten Bäumen, Bucheckern sammeln, Blätter durch die Gegend schmeißen, eben alles, was zwei Kindsköpfe im Wald so tun.
Es wird Abend, das Kind soll ins Bett, weil es ja dunkel ist. Der Zwerg liegt auf dem Wickeltisch, erzählt sich und uns einen Ast vom Wald, ist fröhlich und guter Dinge, als plötzlich:

Oh Graus, eine Stimme erschallt: „Mann, komm her! Du weißt doch wie Zecken aussehen.“
Jetzt wohnen wir (noch) nicht in einem Risikogebiet und ich hole mir die Dinger ja grundsätzlich selber raus, schon aus dem einfachen Grund, weil ich keine Parasiten auf mir dulde. Ich schritt also sorglos zum Kinde, und tatsächlich hatte sich dort in Töchterleins Leiste so ein kleiner Scheißer festgebissen.

Pink Lady merkte wohl, dass Mama sehr nervös und Papa leicht nervös war, und strampelte deshalb wüst um sich. Jetzt war ich aber auch ein wenig zu unsicher, bei der Kleinen das Ding selber rauszuholen. Und meine Gattin war ob des Parasiten etwas..., sagen wir besorgt. (Wenn ich hier panisch schreibe, krieg ich wieder Ärger, dass ich schamlos übertriebe. Ich lasse es also.)
Wie dem auch sei, wir packten das Kind in den Schlafanzug und beschlossen, das Spinnentier fachmännisch von unserer Tochter trennen zu lassen.
Also Kind in den Kindersitz und ab nach Koblenz, wir wohnen schließlich am Busen der Natur. Wassenach - Koblenz sind so 30 Minuten Fahrt, wenn man es ruhig angehen lässt. Tat ich aber nicht. Ich holte aus meinem kleinen weißen Suzuki Alto (Das ist der kleine Schuhkarton mit vier Rädern unten dran. Aber ne 53 auf der Motorhaube - soviel Stil muss sein) so ziemlich alles raus, was ich mit Kind im Wagen verantworten konnte.
Normalerweise läuft in solchen Situationen in mir ein automatisches Programm ab: Ich funktioniere und fertig. Der Stress fällt dann erst weit danach ab. Als Mann willste in so einer Situation auch irgendwie der Held sein, oder?

Dummerweise saß jetzt aber unsere Tochter auf der Rückbank. Und offensichtlich hat man an diesem Abend meine Aufregung meinem Fahrstil doch ein wenig angemerkt.
In Rekordzeit schaffte ich es in die Kinderambulanz nach Koblenz, wollte die Karre samt Familie gerade auf dem Parkplatz abstellen, als ich von hinten ein herzhaftes „Huuuuuuuaaaaalp“ mit anschließendem Schrei vernahm. Da hatte die kleine doch tatsächlich meinen Fahrstil sehr gehaltvoll kommentiert, sprich alles vollgekotzt. (Neee, Ersatzbody hatten wir nicht dabei. Wir doch nicht....)

Der aufmerksame Leser wird es ahnen. Das Kind hatte was zu Abend gegessen? Genau:

B A N A N E N B R E I !

Jetzt kannste als Mann in so einer Situation aber auch nicht einfach einknicken, zumal die Gatttin offensichtlich auch ein wenig unter meinem Fahrstil gelitten hatte (Ja himmelherrgottssakrament, ein Alto liegt eben wie ein Brett auf der Straße. Also wie ein hochkant stehendes Brett!)
Ich schreite um den Wagen, im fester Absicht, meine Tochter auf den Arm zu nehmen, öffne die Türe - und ja, es ist nur meinem eisernen Willen und meiner äußersten Selbstdisziplin zu verdanken, dass ich die Meinungsäußerung auf dem Schlafanzug (und dem Kindersitz, und der Rückbank, und dem Fußraum) nicht ebenso gehaltvoll erwiderte.

Entschuldigung, aber gönnt euch mal das Vergnügen, halb verdauten Bananenbrei durch eure Nase ziehen zu lassen.

Leicht grün um die Nase weigerte ich mich standhaft, meine Tochter auch nur anzupacken! Und zack, war mit einem Schlag die ganze männliche Heldenglorie zusammenerbrochen.
Das Kind wurde dann schön sittsam, wie es sich im konservativen Koblenz gehört, von Mama ins Krankenhaus getragen. Papa trug den Autoschlüssel und war froh, als er endlich, endlich an einer Flasche Isopropanol vorbei kam. Ich sag euch: das Zeug duftet. Ich war wie im siebten Himmel - für wenige Minuten.

Dummerweise hatte die Zecke mittlerweile beschlossen, von unserer Tochter abzulassen und sich stattdessen in deren Windel zu verbeißen.....

Wat machste da? Stehst mit mit einem Kind voller Bananenkotze und Panik in den Augen in der Ambulanz und hast noch die Wechselklamotten vergessen. Super!

Es nahm biblische Ausmaße an:

Sie nahmen das Kind, wickelten es in Tücher und legten es in eine Krippe. Die Tücher hatten wir aus dem Krankenhaus bekommen, die Krippe stand auf dem Parkplatz und stank nach Bananenkotze. Aber sowas von! Und ich musste die Familie (von der ein Drittel ebenfalls nach Bananenkotze stank) noch nach Hause fahren. In der Kiste mit der Bananenkotze!

Hab ich auch gemacht! Ganz langsam und besonnen!

Und jetzt sag mir bitte noch einer, dass Männer wir keine Helden sind!

Samstag, 29. März 2014

Vertikalpanorama

Wintertag 2014 in der Nähe von Niederehe

Nohner Irrsinn am Wasserfall Dreimühlen

In der Nähe von Nohn in der Eifel liegt der Wasserfall Dreimühlen. Früher war dieser Platz einmal einer der verwunschensten Flecken der Vulkaneifel.

Wundervolle Kalkfelsen säumen an dieser Stelle das Tal des Ahbaches.
Nach kurzem Fußweg über den alten Bahndamm oder einen Trampelpfad im Wald gelangte man noch im Jahr 2013 an einen geheimnisvoll versteckten Platz.
Vor einem Monat machte ich mich wieder einmal erwartungsvoll auf den Weg - und mich traf der Schlag!

Statt eines Naturwunders musste ich mit dieser verwüsteten Ruine vorlieb nehmen. Hatte hier etwa ein Herbststurm zugeschlagen?
Noch völlig fertig erklärte mir dann ein einheimischer Spaziergänger, was im Winter 2013/14 passiert war:
Irgendein Verwaltungsheiopei hatte durchgesetzt, dass der Wasserfall besser für Spaziergänger einsehbar sein soll, die nicht mehr so gut zu Fuß sind! Und das bei einem ausgewiesenen Naturdenkmal...

Für vermeindliche Touristeninteressen wurde hier die Natur gebändigt, und so ein ehemals wundervoller Ort für sehr lange Zeit seines Zaubers beraubt.
Mein einziger Trost ist die Tatsache, dass die Vegetation auf lange Sicht auch gegen die irrsinnigste Verwaltungsentscheidung gewinnen wird.

Impressionen vom Nürburgring II

Das schöne an der überdimensionierten Fehlplanung ist, dass einem kaum Passanten durch's Bild latschen. Das ist doch mal was!

Der Baum ist übrigens stilecht leblos aus Kunststoff. Eine Baumillusion sozusagen.

Aber immerhin war noch Kohle da, irgendwelchen grünlichen Schnasel von der Decke hängen zu lassen. Ich konnte in Ermangelung einer Leiter nicht untersuchen, ob der wenigstens lebendig war. Vermutlich nicht.

Impressionen vom Nürburgring I

Was anderen die Elbphilharmonie, ist uns hier oben der Nürburgring. Mahnmal für politischen Größenwahn und Filz - Grab für hunderte Millionen von Steuermitteln, die RLP wahrlich besser verwenden könnte.

Der Ringracer, angeblich die schnellste Achterbahn Deutschlands, bis jetzt aber nur...

...eine ziemliche Luftblase.

Immerhin sieht der Sonnenuntergang da oben nicht mehr lange so aus. Der neue Eigentümer will den ganzen Vergnügungsparkstrallala abreißen.

Dienstag, 25. März 2014

"Gute Nacht," sagte der Fuchs zum Hasen

Lydiaturm from Martin Ingenhoven on Vimeo.



Auch wenn ich gestern noch begeistert die Lösung vorgestellt hatte, mit der ich Bilder unterwegs auf meinen Blog lade, habe ich mir heute am Videoupload die Zähne ausgebissen.
Zuerst habe ich mit der nativen WP-App versucht ein 7MB großes .mov-Video hoch zu laden. Drei Versuche endeten mit dem sanften Hinweis, dass mit meiner Wordpressinstallation etwas nicht stimme. Dass vielleicht mit der App etwas nicht stimmen könnte...ach egal.
Als nächstes habe ich es per ftp versucht, was aber daran scheiterte, dass das Video dann nicht in der Datenbank steht.
Uploadversuche vom Desktop aus machten die Sache auch nicht besser, dabei hatte ich doch extra ein wenig mit iMovie und Garageband experimentiert...
Gibt man bei der Suchmaschine seines Vertrauens Stichworte wie "Viedo Upload Wordpress" ein, gelang man sehr schnell zu dem Entschluss, dass es eine Scheißhausidee nicht wirklich anzuraten ist, Videos selbst zu hosten, und in Wordpress schon gleich garnicht.
Also hieß es, über den eigenen Schatten zu springen, und einen Hoster zu suchen. G+ bot sich an, da ich über ein entsprechendes Profil verfüge. Da ich das angeschlossene DuRohr, auf dem das Video dann zwangsläufig gelandet wäre, nicht unbedingt mag (Youtubekommentarleser wissen was ich meine), kam für mich nur noch vimeo in Betracht. Ein Konto dort ist recht schnell erstellt, allerdings wird ein hochgeladenes video im kostenlosen Basispaket zuerst in eine Warteschlange einsortiert, sodass es etwas dauern kann, bis das Video verfügbar ist.

Fazit:
Versuche niemals ein Video in einen Wordpressblog zu laden! Wirklich! Niemals!

Montag, 24. März 2014

Mobile Blogbefüllung mit Pressgram

Nur kurz vorweg, ich nehme an keinem Affiliateprogramm teil und verdiene an diesem Artikel keinen Pfennig. Und jetzt los:

Auch wenn ich in der letzten Zeit viel über meine derzeitige Situation geschrieben habe, verstehe ich iphelgold.de immer noch in erster Linie als Photoblog. Da ich 95 Prozent meiner Bilder mobil mache (Ihr wisst schon, die kleine Kamera, auf der man die Telefonfunktion einfach nicht deinstallieren kann.) mag ich den Umweg über den Rechner nicht besonders. Natürlich gibt es immer noch die Wordpress-App für iOS, die seit dem letzten Update auch stabiler geworden ist, aber so ganz ohne Macken läuft sie immer noch nicht. Außerdem bildet diese App ja mehr oder weniger das Backend von Wordpress ab. Und ich will eben nicht immer wieder Artikelbilder neu festlegen und separat hochladen, sämtliche Optionen festlegen, blablabla...
Mir hat eine schnelle und einfache Möglichkeit gefehlt, meine Bilder mit einem Klick zu veröffentlichen.
Sicher, flickr, G+, streamzoo, 500px und wie sie alle heißen tun ja genau das, aber die Bilder sind dann nicht mehr bei mir auf dem Blog. Ich kann sie höchstens irgendwie einbetten, wie ich das ja im Moment mit meiner Flickr-Galerie noch mache. (Abhilfe ist in Sicht, aber eins nach dem anderen...) Durch verschiedene Diskussionen mit Helmut hat sich meine Sichtweise zu diesem Thema aber ein wenig geändert. Klar, ich habe ein G+-Profil, betreibe ein tumblr, teile mein Zeug bei Pinterest und Twitter. Aber das Herzstück ist und bliebt mein Blog. Und da will ich meine Bilder bequem hochladen, ohne jedesmal einen Riesenstalpes zu veranstalten.

Durch Zufall bin ich dann über die App Pressgram gestolpert. Um Texte zu veröffentlichen ist das Programm nichts. Dafür liegt der Fokus eindeutig auf der Publikation von Bildern aus dem Handyeigenen Photoalbum. Hauptziel der App ist Wordpress, wofür es auch zwei nützliche Plugins gibt), das Teilen ist aber problemlos auch bei G+, Twitter, Tumblr, Blogger, Typepad (auch selbst gehostet) und squarespace möglich.
Pressgram selbst ist kostenlos, allerdings gibt es einige weitergehende Bildbearbeitungsmöglichkeiten als InApp-Kauf. (Ich glaube, da ist nicht viel Neues dabei, ich werde mir aber sicher in den nächsten Tagen eins der Pakete gönnen, um die Entwickler zu unterstützen.)
Informationen über Pressgram gibt es auf deren Homepage, oder bei Twitter. Die Entwickler scheinen ziemlich auf Zack zu sein; eine Anfrage bei Twittter wurde innerhalb einer Stunde beantwortet. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt.

Fazit:
Wer eine schnelle und einfache Möglichkeit sucht, Bilder auf seinem eigenen Blog von unterwegs mit dem iPhone zu publizieren, dem sei ein Blick auf Pressgram empfohlen.

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Blick vom Lydiaturm

Lange angekündigt, endlich da! Die pulsierende Weltmetropole Wassenach von schräg oben.

Ein schwarzweißdüsterer Blick über den Laacher See.

Montag, 17. März 2014

Was klass... klasch... was altes

Mein bester Freund sitzt gerade mit meiner Gattin in deren Arbeitszimmer und hilft bei der Vernetzung diverser Computer, auf deren Gehäuse angebissenes Obst prangt. Ich halte mich von dem Theater fern, weil ich auf Obst eine negative Ausstrahlung habe (und umgekehrt). Und wenn Bill Adama mich eins gelehrt hat, dann das:


Kein Netzwerk auf meinem Schiff.



Ich erinnere mich lieber der altbekannten Geschichte von Betriebssystemen und Airlines, deren hochgradig persönlich eingefärbte Version ich hier zum besten geben möchte, und die meine persönliche Betriebssystemsodyssee (nie war ein Fugen-S schöner) in Teilen wiederspiegelt. Hier also meine Version eines Klassikers der Internetallmende:

Wenn Betriebssysteme Airlines wären

DOS-Air

Die Flugzeuge bestehen weitgehend aus Sperrholz und alles ist in düsterem Schwarz-Weiß gehalten. Das Be- und Entladen des Flugzeugs übernimmt Commander Norton noch persönlich. Er ist ein Profi. Als Unterhaltungsprogramm gibt es auf allen Flügen "Prince of Persia", das über eine mit Kaffee und Krümeln versutschte Tastatur mit dem antiroyalistischen Befehl prince.exe gestartet wird.


Win3.11-Airlines

Die Flugzeuge sehen aus, als wären sie mit der Motorsäge aus einem Block massiven Eisens handgeschnitzt worden. Dafür kann man während des Fluges jetzt aus dem Fenster gucken. Das Highlight ist eine analog anmutende Uhr. prince.exe kann man zwar immer noch spielen, muss dafür aber seinen Fensterplatz aufgeben.


Windows95-Express

Der Motorsägencharme ist geblieben. Alles ist irgendwie grau und schmutziggrün. Der Prince läuft immer noch im Unterhaltungsprogramm und wird von "Ports of Call" auf einem zweiten Kanal unterstützt. Minesweeper macht mich aggressiv und sollte unter Verschluss bleiben.


SuseLinux - Tourismusagentur GmbH 7.0

Die Motorsägen scheinen von Amateuren bedient zu werden. Ich finde mich nicht zurecht. Alles ist grün, ich gehe lieber vor die Tür.


Win98-Tours

Immer noch sehen die Flugzeuge aus, wie mit der Motorsäge geschnitzt. Da ich aber keine Lust habe mich in quietschbuntblaugrüne Flugzeuge zu setzen, in denen mich alle fünf Minuten ein schmieriger Typ anmacht, der wie eine Büroklammer aussieht, von nichts eine Ahnung hat, und trotzdem so tut, alles besser zu wissen, bleibe ich ich dieser Fluglinie sehr lange treu, vor allem, weil im Unterhaltungsprogramm "Operation Red Alert" läuft.


Win2000-Tours

Die Flugzeuge sehen genauso aus, wie die von Win98-Tours. Dafür ist der Tankstutzen jetzt größer und hört auf den Namen USB.


Warty Warthog-Express

Ein südafrikanischer Milliardär stellt hübsche Flugzeuge in diversen Brauntönen kostenlos zur Verfügung. Meine Freunde haben Bunte Flugzeuge geklaut und wundern sich über Piraten und Abstürze. Sie bitten mich um Hilfe, wollen aber nicht einsehen, dass es nicht gut ist, wenn jeder Fluggast immer auf die Kontrollelemente im Cockpit zugreifen darf. Außerdem gefällt es ihnen nicht, dass sie beim Warthog-Express ihre Sitze selbst einstellen müssen.


Debian-Airlines

Die Gesellschaft heißt eigentlich Debian GNU/Linux Gemeinschaft und ist streng basisdemokratisch organisiert. Ich kann mein Flugzeug gestalten, wie ich möchte. Ich beschränke mich aber darauf, die Passagierkabine nach meinem Geschmack einzurichten. Das Unterhaltungsprogramm an Bord der Flugzeuge ist mangelhaft. Am besten nimmt man für jeden Flug ein tragbares Kassettenabspielgerät mit.


Airline from Scratch

Jemand kippt mir einen Bauplan und ein paar Werkzeuge vor die Füße. Ich bin überfordert.


Fedora-Express

Alles ist blau, das Unterhaltungsprogramm ist besser, aber es werden bei weitem nicht so viele Flugziele bedient wie bei Debian-Airlines.


Lubuntu-Express

Ich bin bequem und ich verwende aus Überzeugung nur Hardware aus zweiter Hand. Die Flugzeuge sind auch blau und funktionieren für meine Zwecke perfekt. Meinen Freunden gefällt es immer noch nicht, ihre Sitze selber einstellen zu dürfen. Ich fühle mich wohlig an den Motorsägencharme der 3.11 Flugzeuge erinnert. Hier bleibe ich ersteinmal.


MacOS-Airlines

Alle Flugzeuge sind weiß und sehr flach. Immer wenn ich etwas wissen will, wird mir gesagt, dass mein Problem nicht existiert, ich also auch keiner Antwort bedarf. Ich bin ärgerlich. So etwas mag ich nicht. Das Unterhaltungsprogramm ist darauf ausgelegt, nur als Zusatzangebot der Airline gekauft zu werden. Ich finde das unpraktisch.


iOS 5.3-Air

Der Innenraum der Flugzeuge hat irgendwie einen puffigen Ledercharme in dreckigblau. Die Kaffeetassen werden einzeln verteilt. Es ist nicht möglich, einen Kaffe und ein Sandwich gleichzeitig zu ordern. Alle Fensterscheiben sind ständig verschmiert.


iOS 7.1 Express

Notgedrungen benutze ich die Flugzeuge, deren Tankstelle ein ehemaliger Plattenladen ist. Ich finde das komisch, ernte aber nur religiöses Unverständnis. Ich frage eine Frau, warum das Flugzeug immer meinen Standort wissen will. Wahrscheinlich, weil die Scheiben immer noch verschmiert sind. Sie weiß keine Lösung. Ich werde ärgerlich und frage noch einmal . Die Frau versteht mich nicht, bleibt aber höflich. Ich nicht. Ich sage ihr, dass sie mich nervt. Sie bleibt freundlich und sagt, dass es keinen Grund gibt, sie zu beschimpfen. Ich finde schon. Ich verbiete der Frau zu reden und möchte sie aus dem Flugzeug werfen. Die Frau bleibt. Ich träume von einer Motorsäge.

Donnerstag, 13. März 2014

Geduld



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Heute ist ein guter Tag! Ich habe es geschafft, bei dem wundervollen Wetter eine Stunde spazieren zu gehen. Das ist toll, aber:

Lieber Gott, gib mir Geduld, und zwar SOFORT!

Ihr kennt das sicher. Ich schrieb neulich aber auch, dass es in einer depressiven Phase viele Dinge gibt, die ich viel intensiver erlebe und fühle. Natürlich freue ich mich darüber, dass ich heute einen guten Tag habe, neige aber auch wieder dazu, zu glauben, dass ich jetzt wieder Bäume ausreißen kann. Total bescheuert, ich weiß.
Manchmal wünschte ich mir einfach nur, dass ich die Geduld mit mir selber haben kann, die ich offensichtlich anderen Menschen gegenüber habe. (Zumindest behaupteten das heute drei Schüler, die mir extra einen Brief geschrieben haben. Danke dafür.)

In diesem Sinne versuche ich mich also den Rest des Tages darüber zu freuen, dass ich heute eine Stunde länger spazieren gehen konnte, als die letzten Tage. Genießt die Sonne und lass es euch gut gehen.

Freitag, 7. März 2014

Impact

20140307-215858.jpg

[stextbox id="bild"]impact - Acryl und Kieselsteine auf Leinwand - 40x40cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

So geht es mir heute, nur falls jemand fragt.

Dienstag, 4. März 2014

Bildstörung

20140304-172513.jpg

[stextbox id="bild"]Brouillage - Acryl, Papier und Kaffeebohnen auf Leinwand - 40x60cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

Das Bild ist schon etwas älter und in einem gänzlich anderen Zusammenhang entstanden, aber passt ganz gut zu meinen Gefühlen rund um das Dorfkarnevalstreiben.

Samstag, 1. März 2014

Mein Leben mit einem Depressiven - Gastbeitrag

Wie schon angekündigt, war Heike so lieb, einmal ihre Perspektive auf unsere Situation zu schildern. Ich bin sehr froh, dass sie das in einem sehr liebevollen, persönlichen und offenen Text getan hat.

 

Mein Leben mit einem Depressiven - oder lieber:
Mein Leben mit der lebensbedrohend erkrankten Liebe meines Lebens


Ich soll also nun was schreiben... Naja, ich wurde ganz freundlich darum gebeten.
Und, wer mich kennt wird gleich schmunzeln, auch wenn es mir sonst nie an Worten fehlt (hüstel, hüstel...) so bin ich doch sehr unsicher was ich jetzt schreiben soll.

nachträglicher Einschub: war mal wieder nix mit fehlenden Worten - ich bitte die Länge des Artikels zu entschuldigen...


Also dann: mein Mann ist depressiv. Und zwar nicht so ein wenig "burnout schlecht drauf" (die wirklich Ausgebrannten sehen mir das jetzt hoffentlich nach) sondern Martin ist schwer depressiv.
Eine Krankheit, die uns nun seit fast 2,5 Jahren begleitet und unserer Leben entscheidend verändert (hat) und prägt. "Damals", als alles begann habe ich, von meinem geliebten Prof. während des Studiums "Betriebsnudel" getauft, zunächst gedacht: "Naja, war ja schon verdammt viel die letzten Jahre: mein Studium, Martins erste feste Stelle, unser Umzug nach RLP, meine zwei Studienabschlüsse, unsere Hochzeite(n), meine unzähligen Probespiele in ganz Deutschland (nicht schön!) + Praktikum im Gürzenich Orchester (schön aber hart!) + div. Orchesteraushilfsjobs (wunderschön aber anstrengend) dann doch lieber Selbständigkeit im pädagogischen Bereich (traumhaft aber viiiiel Arbeit), parallel Verbeamtung von Martin mit Stellenwechsel nach Bad Kreuznach (!): Pendelei (bis dahin war ich mit rund 50.000 km im Jahr die Vielfahrerin der Familie), dann der Wechsel nach Andernach, Umzug innerhalb Vallendars - Käferplage, Schwangerschaft und Hausbau gleichzeitig- ach ja und mein Konzertexamen und und und... So vieles, was ich jetzt vergessen habe... Na da kann man schon mal richtig platt sein. Vor allem wenn der süße Sonnenschein mit seinen gerade 1 J. die Bude rockt ;o)
Aber weit gefehlt. Das was da begann war etwas anderes. Was folgte war zunächst Angst. Und ich rede jetzt nur von mir. Angst um Martin: wird er das überleben? Wird er wieder gesund? Wird er noch der Mann sein, in den ich mich verliebt habe? Wird er mich hinterher noch lieben? Wird er mir für irgendwas die Schuld geben?
Was kam waren sieben lange Monate, allein mit Emma, allein mit meiner Energie, mit meinem neuen Job (ein Segen, dass ich intuitiv im Sommer am Raiffeisen-Campus angefangen habe - ich war selten beruflich glücklicher!). Was ich gemacht habe ist funktionieren. Und futtern... Beides habe ich mittlerweile wieder im Griff, mal mehr mal weniger erfolgreich, aber ich habe viel gelernt in den Jahren.

(Anmerkung beim Korrekturlesen: Natürlich hatte ich Hilfe von meiner und Martins Familie und unseren Freunden! Sonst hätte ich das nie geschafft!)


Nach Monaten voll Warten, Hoffen, immer wieder vertröstet werden dann endlich: Heimkommen! Doch oh je. Martin ist sich nicht mehr sicher ob er mich noch liebt. Völliges Erstarren... War da nicht eben noch ein Teppich unter meinen Füssen??? War nicht unsere Liebe der Kraft Antrieb in der schweren Zeit? Doch halt, wer hat denn da gedacht, die sei schon vorbei? Nee nee... Er hat sich dann doch für mich und uns entschieden und dann lagen Monate harter Arbeit vor uns. Ja, natürlich vor allem für Martin: wieder ins Leben zurück finden, in die Familie, in die Partnerschaft in den Beruf. Aber auch für mich und Emma. Immer wieder alles neu. Immer wieder alles anders. Wiedereingliederung in den Job: ein Jahr immer wieder Veränderung, neue Belastungen - für uns alle drei!, dann kurze "Haltephase" und schon ging es weiter: wieder ein paar Stunden mehr im Job, wieder Veränderungen im Krafthaushalt und Alltag der Familie. Dann endlich "Ruhe" - naja, sowas gibt (gab) es bei uns ja eh nicht...
Immerhin ist es all die Jahre nach dem absoluten Tiefpunkt damals kontinuierlich bergauf gegangen - ja manchmal gaaaaanz langsam, manchmal mit langen Phasen des Stillstands aber ich bin dankbar, dass es immer weiter gegangen ist!
Zwischendrin waren Emma und ich zur Kur - ich habe irgendwann erkannt, dass der Weg lang und mein Akku nur wiederaufladbar und nicht unendlich ist.
Jetzt der Rückfall. Blödes Wort! Die Rückkehr der Depression ist besser. Es ist zwar so schlimm wie damals, aber andererseits auch wieder nicht. Vieles geht jetzt besser. Wir wissen jetzt eher, was "das" ist. Wir (aber vor allem Martin) haben (hat) Mechanismen gelernt, viel trainiert und jetzt profitieren wir davon. Zumindest in nur halbschlimmen Momenten. Und: wir haben (immer noch!) uns!
Wie ich mich dabei fühle? Manchmal: leer, wütend, traurig, verzweifelt, panisch, von Sorgen zerfressen, meistens: ruhig. Wieso? Keine Ahnung. Nun wir schaffen das. Was anderes darf einfach nicht sein. Aufgegeben wird nicht. Dann wäre ich nicht ich und die ganzen Jahre wären für die Tonne. Außerdem hat Emma ein Recht darauf. Auch darauf, dass ich da bin. Mit Kraft, Zeit und vor allem Liebe - letzteres war noch nie ein Problem, bei den anderen Punkten bin ich mir da nicht immer ganz sicher wie gut ich das mache. Aber ich gebe mein Bestes. Auch bei Martin. Was anderes kommt nicht in Frage. So bin ich halt. Und: ich habe wundervolle Menschen an meiner Seite. Meine Familie, meine Freunde und Freundinnen (ich weiß, dass Ihr wisst, dass ich Euch meine, deshalb verzichte ich auf Namen!) - seit 2,5 Jahren mein zweites Fundament. Neben meinem Mann und meiner Tochter der Grund warum ich das alles schaffe. Dank Ihnen habe ich ein Ventil, denn auch ich muss mal Dampf ablassen - Betriebsnudel hin oder her. Dass, was ich meinem Mann an emotionalen Ausbrüchen meinerseits erspare(n muss), weil ich genau weiß, dass es ihn krankheitsbedingt völlig überanstrengen würde, kann ich dort lassen. Ohne diese Menschen wäre ich wahrscheinlich mittlerweile entweder selber depressiv oder weggelaufen (und wahrscheinlich auch todunglücklich).
Aus irgendeinem Grund weiß ich - und ich hoffe, dass das nicht arrogant klingt - das ich nicht Schuld habe an alle dem. Und als ich vor dem Altar "Ja" gesagt habe als der Herr da vorne von "und bis der Tod Euch scheidet" sprach, da habe ich das auch so gemeint.
Einen weiteren Grund habe ich gerade noch bei meiner einen sechsten Klasse unterrichtet: "And do unto others, as you'd have done to you" (Sixx: A.M. - Skin)
Einer meiner Grundsätze im Leben: ich versuche immer andere so zu behandeln, wie ich selber behandelt werden möchte. Würde ich wollen, dass Martin mich aufgibt? Nein. Also: Trotz allem! Das Motto unserer Hochzeit - auch wenn Pater Hau das auf Gott bezogen hat - ich bin dankbar dafür. Und für meine Familie. Ich liebe Dich Martin. Bitte sei stolz auf Dich, ich bin es jeden Tag.
Bis zum Mond und zurück.
Heike