Freitag, 28. Februar 2014

Einfach etwas Schönes

Erdm_klein

Dieses Erdmännchen (oder Erdweibchen, oder Erdmännchenweibchen, oder wie dem auch sei) posierte im Winter für uns im Neuwieder Zoo.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Abwärtsspirale



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Obwohl ich gerade wieder in einer solchen Stecke, hat diese Abwärtsspirale hier doch eine ganz praktische Ursache.

Ihr erinnert euch doch noch an den Lydiaturm mit seinen hübschen Betontreppen. Der Lydiaturm ist eigentlich ein Steinturm. Da er aber mitten in einem Wäldchen steht, und die Bäume drum herum nicht bloß wegen eines Turmes aufhören zu wachsen, hat das gute Stück in der Höhe irgendwann nicht mehr ausgereicht. Also hat man dem Turm 1986 kurzerhand eine hübsche Holzkrone verpasst und ihn so um 7 Meter erhöht. Die letzten Meter geht es deshalb über diese hübsche Stahltreppe nach oben.

Ich bin gespannt, wann die Bäume wieder die Oberhand gewinnen...

Dienstag, 25. Februar 2014

Die Angst, etwas Falsches zu tun - Über den Umgang mit Menschen, die an Depression erkrankt sind.

Hallo lieber Leser,

es geht im Moment ziemlich ans Eingemachte bei mir. Trotzdem, oder gerade deswegen möchte ich dir heute ein wenig Erzählen über den Umgang mit Menschen, die an einer Depression erkrankt sind.

An guten Tagen kriegen die Leute von mir um die Ohren gehauen:

"Tu, was du willst. Aber behandle mich nicht wie ein rohes Ei!"

Obwohl das so leicht dahin gesagt ist, und für jeden Erkrankten mit Sicherheit andere Regeln gelten, steckt doch eine Menge Wahrheit in diesem kurzen Satz.

Betrachten wir die ganze Sache mal ein wenig differenzierter. Die schlechte Nachricht zuerst: Du kannst nichts für mich tun. Ja, klingt scheiße. Ist aber die Wahrheit. Kein Außenstehender kann einen Depressiven davor bewahren, die Karre an die Wand zu fahren. Du kannst nachher höchsten Helfen, mich von der Wand runter zu kratzen. Vorher kann ich deine Hilfe und deine Ratschläge nicht annehmen. Das ist brutal für dich, ich weiß das, aber das ist Teil dieser Krankheit. Ich und du, wir müssen da einfach durch. Es gibt nur zwei Alternativen: Bleib bei mir, halte es mit mir aus, oder geh.

Das Gehen ist eine völlig legitime Alternative. Denn das Wichtigste, was du tun kannst, ist für dich zu sorgen. Der Umgang mit einem depressiven Menschen kann verdammt anstrengend sein. Als pass auf dich auf. Verstanden?
Gut. Nächste Lektion im Umgang mit Depressiven:

Achte auf deine Worte. Menschen mit Depression empfinden alles ein wenig anders als du selbst. In den meisten Fällen empfinden wir tiefer und intensiver, auch wenn wir Probleme haben, das zu zeigen. Ich nenne das den "Starken Eddie" oder das "Rote Badehosen-Syndrom" (Supermann hatte so eine, und auch Supermann war ja eigentlich nur Clark Kent.)

Vermeide also bitte alles, was mir Schuldgefühle machen könnte. Jep, ist höllisch anstrengend, seine Worte immer mit Bedacht zu wählen. Aber Teil dieser Drecksseuche ist es, auch nur die leiseste Kritik sofort auf sich zu ziehen.

Kleines Beispiel? Gerne doch:

Du sagst: "Was für ein scheiß Wetter habt ihr hier."
Du meinst: Small Talk ist doch OK.
Bei mir könnte ankommen: Oh mein Gott, ich bin schuld, dass du jetzt einen schlechten Tag hast, weil ich hier wohne."

Das ist sauschwer, dieser schmale Grat zwischen "behandle mich nicht wie ein rohes Ei" und "pass auf was du sagst".

Die ganze Sache wird aber leichter, wenn wir beide eine Kleinigkeit beachten: Du achtest auf deine Wortwahl und auf meine Stimmung.

Ich im Gegenzug achte intensiv auf meine Stimmung und teile Sie dir klar und deutlich mit. Das wird am Anfang ein wenig schwierig sein, das ist klar. Aber nur so funktioniert es. Vertrau einfach drauf, dass ein Depressiver dir irgendwie mitteilt, was er gerade benötigt und was nicht.
Das Konzept nennt sich Achtsamkeit; kann ziemlich hilfreich sein. Die meisten Depressiven haben davon schon einmal gehört. Denn wir müssen lernen, Achtsamkeit uns selbst gegenüber walten zu lassen. Schließlich haben wir unsere eigenen Bedürfnisse mehr oder weniger lange unterdrückt und verlernt auf sie zu hören.
Für dich ist das hoffentlich normal. Depressive haben ein Problem damit, und das macht die Kommunikation manchmal so schwierig.

Also: Während eines akuten Depressionsschubs kannst du nichts tun. Pass lieber auf dich selber auf. Du wirst deine Kraft noch brauchen, wenn du es weiter mit mir aushalten willst.


P.S.: Ich weiß, dass ich diesen Text sehr subjektiv geschrieben habe, anders geht es nicht. Aber die Grundzüge sind bei den allermeisten Depressiven gleich. Nur Mut, wir sind keine rohen Eier, wir empfinden nur alles ein wenig intensiver und können das schlecht zeigen.

iPhelkitsch



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Wegkreuze und Gnadenbildchen gibt es in der katholischen Eifel satt und genug. Dieses besonders "hübsche" Exemplar wollte ich Euch nicht vorenthalten.

Samstag, 22. Februar 2014

Erinnerung an mein intensivstes musikalisches Erlebnis

Dieser Bericht wurde angestoßen, durch einen kurzen Nachrichtenwechsel auf Twitter unter dem Eindruck der Ereignisse in Kiew im Zuge des #euromaidan. (Wenn du das liest, liebe S.: Nimm dir Zeit zum Lesen.) Es geht um das folgende Stück aus Joseph Haydns "missa in tempore belli", das der österreichische Chor STIMMQUADRAT dankenswerterweise auf youtube zur Verfügung gestellt hat:



Ich schreibe, während ich die entsprechende Passage gerade nachhöre, und ich habe wie damals hemmungslose Gänsehaut. Aber der Reihe nach:

Ich habe damals in einem Orchester mit Laien und Profis gespielt, saß an der zweiten Trompete. Ein Chor hatte uns zur Aufführung dieser Messe gebucht. Zu Anfang war das eine dieser Muggen, wo du in Shorts zur Probe gehst, die Gage pro Ton ausrechnest, und auf einen zweistelligen Betrag kommst, weil die Trompeter wie so oft in der klassischen Musik nicht wirklich was zu tun haben. Du hängst halt rum, erträgst es, wenn ältere Damen im Sopran ihr Vibrato ausschütteln und danach ihre Noten auf deinem Kopf ablegen.

Irgendwann stupst dich der Schlagwerker hinter seinen Wurstkesseln an und flüstert: "Noch zehn!" Dann ist es Zeit aus der Lethargie aufzuwachen und die drei oder vier Töne zu blasen, die der alte Haydn in seinem Genie da so hingepinselt hat. Schließlich hatte er die Messe komponiert unter dem direkten Eindruck der Belagerung Wiens durch die Armeen Napoleons. Mit dem Paukisten zusammen waren wir die napoleonische Armee, während der Chor das Flehen der Österreicher um Frieden darstellt. Also wirklich nichts Spektakuläres, fand der ganze Zinnober doch erst im "Agnus dei" statt, also zum Ende der Messe. Aber es gibt schlimmere Arten, sein Studium zu verdienen, als eine Stunde still zu Sitzen und zum Schluss ein wenig randalieren zu dürfen. Doch diesmal sollte es anders kommen:

Die zwei Proben liefen wie gehabt: Shorts, abhängen und anschließend mit der Cellistin ein Eis essen gehen. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Wir schrieben das Jahr 2001 und Aufführungstermin war der 15. September. Kurz vorher wird die Welt erstarrt gewesen sein, fassungslos und verängstigt. Wir haben kurz überlegt, ob wir das Konzert absagen sollten, haben uns aber dann doch für eine Aufführung entschieden.

Das Konzert selbst lief irgendwie, nicht besonders spektakulär, aber ganz am Ende begann der Chor zu singen, ganz leise:

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem.


Bis zum letzen peccata mundi baut Haydn eine kaum auszuhaltende Spannung auf. Und tatsächlich geschah in diesem Augenblick in dieser Kirche in Neuss wirklich Musik. Jeder beteiligte war hoch konzentriert, das Publikum war absolut still. Dann die kurze Pause vor dem dona nobis pacem und plötzlich sollte ich diese Fanfaren spielen. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie mir das überhaupt gelungen ist. Es muss eine Art Trancezustand gewesen sein. Und dann war über dem Kriegslärm der Chor mit dona nobis pacem - gib uns deinen Frieden zu hören.

Am Ende war Stille - minutenlang.

Erst dann brach ein Applaus los, der schier nicht enden wollte. Ich war nicht der einzige Musiker, der an diesem denkwürdigen Tag hemmungslos weinte.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Sache mit den Schlafstörungen

Immer dann, wenn ich besonders viel mit mir selber ausmache, kann ich drauf wetten, ein paar Tage später fast die komplette Nacht hellwach zu sein. Ich reagiere auf alles, was mich so umtreibt, immer ein paar Tage verzögert, und im Moment natürlich um so heftiger.

Früher hat mich dann mein schlechtes Gewissen geplagt und ich habe mich regelrecht unter Einschlafdruck gesetzt. Mittlerweile habe ich mühsam gelernt, mich in solchen Nächten bewusst mit Dingen zu beschäftigen, die mir gut tun. Ein nächtlicher Spaziergang fiel aus Wettergründen leider aus, Lesen geht im Moment noch nicht wieder, weil die Konzentration nicht reicht, zum Fotografieren war es zu dunkel, also habe ich einfach ein wenig vor mich hingeschniselt. Schniseln ist Fachsprache und bedeutet, irgendwelche Dinge zu tun, die einem gefallen, halt so vor sich hinzubrutscheln, ihr wisst, was ich meine.

Ich habe ja noch ein paar Bilder vom Lydiaturm in der Kamera, aber die müssen noch etwas zurecht gefeilt werden. Also habe ich ein wenig am Blog rumgebrutschelt. Zwischen 24.00 und 04:44 Uhr habe ich auf iphelgold.de folgende bahnbrechende Neuerungen implementiert:

  • Angeregt von Rainer Steinke habe ich mit der Hilfe von Rainer König für den Blog Twitter Cards eingerichtet. Immer wenn ich ab jetzt einen neuen Artikel tweete, geschieht das mit einer hübschen Vorschau und gegebenenfalls einem Bild.

  • Inspiriert von Helmut Roewer gibt es auf iPhelgold jetzt auch ein Microblog für all die kleinen Gedankensplitter, die zu klein für ein großes Posting, aber zu groß für Twitter sind. (Twitter ist toll, aber mir geht da zu viel in meiner Timeline unter, was ich sehr schade finde.) Deshalb findet ihr jetzt unter dem Menüpunkt Angedacht kurze Gedankensplitter und Fundstücke, die mich beschäftigen. Helmut betreibt sein Microblog elegant als zweite Wordpressinstallation, bei mir hilft ein schnödes Plugin.


Euch allen Dreien ein herzliches Dankeschön. Ihr habt mir geholfen, in einer bescheidenen Nacht nicht ins Grübeln zu verfallen. Euch anderen wünsche ich, wenn ihr mögt, viel Freude beim Lesen.

Übrigens bin ich gegen vier Uhr eingeschlafen und hatte noch ein wenig Ruhe. Das war auch schon mal anders. Ist doch ein gutes Zeichen, oder?

Mittwoch, 19. Februar 2014

Testpost - iPhelgold hat jetzt Twitter Cards

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Die Lampe steht übrigens in Burgbrohl am Pennymarkt. Aber die soll sich nix einbilden, ich hätte auch jedes andere Bild zum Testen nehmen können. So!

Schuss - Gegenschuss

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Aufgenommen im Lydiaturm oberhalb von Wassenach. Von oben habt ihr einen traumhaften Blick über den Laacher See und auf der anderen Seite bis hinüber ins Siebengebirge. Der Turmbesteigungsbeweis folgt demnächst.

Donnerstag, 13. Februar 2014

John Cage - 0’0”

Ich führe gerade das Stück 0’0” von John Cage ein zweites Mal auf. Du übrigens auch, wenn du möchtest. ;)

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[stextbox id="bild"]performing John - Acryl, Papier, Toner und Lack auf Leinwand - 20x30cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

Mittwoch, 12. Februar 2014

Das beruhigende Märchen vom Burnout

Ich hab Wut! Das freut mich, denn daran merke ich, dass sich in mir etwas bewegt und nicht mehr dieser lähmende Stillstand herrscht. Komischerweise ist die Anstrengung die gleiche. Es ist total Hupe, ob ich meine Depression oder die Wut über ihre Wiederkehr aushalten muss. Beides kostet Kraft. Aber Wut ist auch prima, um mal ein paar Dinge raus zu lassen, die mich schon lange bewegen.

Es geht um den Begriff Burnout und den Umgang damit in unserer Gesellschaft. Hinz und Kunz scheint ja unter Burnout zu leiden. Berühmte Fußballtrainer genauso wie prominente Karnevalisten. Das scheint so eine Art Volkssport zu sein.

Volkssport? Humbug! Burnout ist totaler Beschiss! ein sehr trügerischer Begriff.

Burnout ist angeblich eine Krankheit, die nach ICD-10 als Zustand totaler Erschöpfung beschrieben werden kann. Mit dieser Diagnose beschreibe ich keine anderen Symptome, als die, die auch bei einer schweren Depression auftreten: Emotionslosigkeit, völlige Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit, erhöhte Suchtanfälligkeit und schließlich Suizidalität.

Jahaaa, Suizidalität, ihr habt richtig gelesen. Depressive Menschen können in einen Zustand völliger Ausweglosigkeit geraten, und das ziemlich schnell, in der nur noch der Tod als gültige Lösung erscheint. (Heike wollte es mir nicht in den Kommentar schreiben, sondern hat es mir lieber (Danke!) persönlich gesagt: Ich bin stolz, dass ich es bis hierhin geschafft habe, und mich niemand auf den Bahngleisen einsammeln musste! Verdammt stolz sogar!)

So, und alles das wird gesellschaftskompatibel im Wattebausch Burnout verpackt. Burnout, da ist jemand ausgebrannt, der vorher ein Top-Performer war, der es zu was gebracht hat, in unserem auf Leistung und Gefühlskälte getrimmten System. Jemand der sich also, aus welchen Gründen auch immer, so sehr verbogen hat, einem seltsamen System gerecht zu werden, gerecht bis zur völligen Selbstaufgabe, kriegt also im Nachhinein noch einen Orden angehängt. Schau mal, der hat Burnout, der hat was geleistet, der arme Kerl, was für ein toller Hecht!

Das ist doch ein riesengroßer Betrug! Leute gehen an einem Umfeld kaputt das ihnen nicht gut tut und dafür gibt es dann noch einen Orden, der ins System passt....

Ich habe Depression! Kein Burnout und keine Managerkrankheit. Ich habe eine ernste, lebensbedrohliche Krankheit. Punkt!

P.S.: duden.de, werd heute wieder ohne mich glücklich
P.P.S.: Burnout ist von mir aus der Brennschluss einer Raketenstufe! Fertig!

Montag, 10. Februar 2014

Comic relief

Die letzten Tage ging es ja ziemlich hoch her in mir, und der Sturm ist noch nicht vorbei. Aber als ich kürzlich so über die Malerei schrieb kamen mir drei alte Bilder wieder in den Sinn, die eine lustige Geschichte in sich tragen. Wollt ihr sie hören? Hier ist sie:

Ende 2011 habe ich mich mal in einer Ausstellung rumgetrieben. Nichts Großes, eine lokale Künstlerin, die in einem öffentlichen Gebäude ausgestellt hat. Aus Interesse bin ich hin, ich fand die Werke auch recht gut, allerdings nicht so gut, dass mir der Name der Künstlerin jetzt wieder in den Sinn käme. Der tut aber auch nichts zur Sache.

Jedenfalls standen an den Bildern, wie sich das für Arbeiten einer professionelle Künstlerin gehört, auch Preise. Ich persönlich fand die ja ziemlich gesalzen, die Preise, nicht die Bilder. Aber gut, suum quique, das Schwein quieckt. (Ja, ich weiß, Freiberufler, Lebensunterhalt, müsst ihr mir jetzt alles nicht erzählen. Ich hab hier ne freilaufende Musikerin im Haus...;))
Die Preise führten aber beim anwesenden Publikum nun zu ehrfürchtiger Schockstarre und dem Bewusstsein, dass man die Bilder nun auch gefälligst mit dem nötigen Ernst und Tiefgang zu betrachten habe. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Loriot hat nicht übertrieben, sondern nur destilliert. Ich hatte einen großartigen Nachmittag allein vom Zuhören.

Noch am selben Abend schuf ich eine kleine Reihe dadaesker Meisterwerke (hüstel), machte mich nach deren Trocknung rotzfrech auf den Weg in die Ausstellung und hab meine Bilder einfach mal dazwischen gehängt...
Ach was hatte ich an der Diskussion, was die Künstlerin mit den Titeln gemeint haben könnte, meine helle Freude...

Eine Woche später habe ich meine Bilder gerettet und die Künstlerin auf eine Zigarette eingeladen. Die Dame hatte Humor.

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[stextbox id="bild"]dialogue 17 - Acryl auf Leinwand - 30x30cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

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[stextbox id="bild"]opus 42 - Acryl auf Leinwand - 30x30cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

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[stextbox id="bild"]Apotheose π - Acryl auf Leinwand - 30x30cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

Samstag, 8. Februar 2014

Der Tag der Dampfwalze

Die Düsseldorferin hat mir auf meinen letzten Post geantwortet. In diesem Sinne sitze ich jetzt mal wieder an der Tastatur:
Wie sollen Nichtbetroffene oder Cobetroffene (also Angehörige von Depressiven) wissen, wie sie helfen können?

Mein lieber Schwan, ne Nummer kleiner gehts wohl nicht, oder? Ich hoffe, meine werte Gattin (ich wollte dieses Wort immer schonmal wieder öffentlich gebrauchen) weiß dazu in den Kommentaren was zu sagen....:)

Ich kann nur eins tun, ich kann erzählen, wie es mir geht:

Ich habe heute nichts gebacken bekommen. Und mit nichts meine ich nichts. Ich habe bestimmt 14 Stunden geschlafen diese Nacht und war tagsüber immer noch total Matsche. Wie mit der Dampfwalze überrollt. Das kleinste Gespräch kostet mich unendlich viel Kraft. Und selbst zehn Minuten Legospiel mit meiner dreineinhalbjährigen zehrt derartig an meinen Kräften, dass ich danach eine Stunde brauche, um wieder runter zu kommen.
Ich bin schrecklich lärmempfindlich und extrem leicht reizbar. Schnelle Bewegungen machen mich rasend. Ich kann keine drei Seiten am Stück lesen, weil ich zu unkonzentriert bin. Es zieht mir die Augen zu, weil ich zu erschöpft bin, gleichzeitig bin ich zu aufgewühlt, um zur Ruhe zu kommen.
Der Ratschlag mit dem "Geh doch mal spazieren" hilft absolut nicht, dazu fehlt mir die Kraft.

Mein Plan für die nächsten Tage? Einigermaßen zur Ruhe kommen, mir das Ausruhen selbst erlauben, einfach möglichst ohne äußere Reize und Stressoren auskommen. Mehr kann ich im Moment nicht tun.
Mein Halt ist im Moment ein Photo meiner schlafenden Tochter. Als Erinnerung, dass mir die Seuche nicht noch ein halbes Jahr mit meiner Familie klaut. Diesmal nicht!

So, da habt ihr den Salat, live und ungefiltert. Fünf Minuten raus in den Regen, das wird mir jetzt gut tun.

Machts gut und passt auf euch auf!

P.S.: duden.de kann mich heute Abend mal...;)

Freitag, 7. Februar 2014

Ich mach doch schon

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[stextbox id="bild"]Unwetter Acryl auf Leinwand - 60x20cm Martin Ingenhoven - 2012[/stextbox]

"Ich mach doch schon." Das war heute meine gedachte Antwort in einem Telefongespräch, in dem ich sagte, dass es mir gerade wieder schlecht ginge. Im letzten Beitrag hatte ich es ja schon vom Verständnis für die Depression als Krankheit. Vor diesem Hintergrund fass ich dann auch den Satz auf, der zu meiner gedachten Antwort geführt hat: Ist das schon wieder da? Mach doch da mal was gegen.

Kabäääm! Genau da liegt doch das Problem: Mach doch da mal was gegen. Bei allem, was ich mache, läuft bei mir automatisch ein Bewertungsmechanismus mit. Und zwar nicht im Sinne einer Qualitätskontrolle, die jeder gesunde Mensch auch hat, im Sinne einer Selbsteinschätzung. Nee, nee, so funktioniert das nicht. Meine Qualitätskontrolle und Selbsteinschätzung ist kaputt. Ich baue sie gerade erst mühsam wieder auf. Und das dauert.
Konkretes Beispiel gefällig?
Gern!
Es ist so, dass ich lange Jahre nichts tun konnte, auf dass ich wirklich stolz war. Selbst wenn das, was ich auf die Beine gestellt hatte in den Augen anderer Menschen wirklich großartig war, so nage in mir immer der Zweifel. Das, was ich gemacht hatte, war nicht gut. Und selbstverständlich war ich deshalb auch nicht gut. Und selbst, wenn ich mich in einem schwachen Augenblick einmal beim Faustschen "Oh Augenblick, verweile doch...." erwischt hatte, legte ich meine internen Maßstäbe einfach ein Stück höher, so dass mein Tun eben nicht mehr gut war. Stolz sein konnte ich ja nicht, das hätte mich also völlig verwirrt. Dann lieber in ein vertrautes Verhaltensmuster fallen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass das in ziemlichen Stress ausartet, wenn man die Latte ständig reißt, und sie dann, wenn man sie mal nicht reißen sollte, einfach ein klein wenig höher legt...
Diesen irrsinnigen Anspruch hatte ich (und ich kämpfe noch immer dagegen an) wirklich in jeglicher Hinsicht, die ihr, werte Leser, euch so vorstellen könnt.
Jeder Außenstehende weiß, dass so etwas nicht lange gut geht. Als Depressiver kommst du aus dieser Scheißspirale aber nicht alleine raus. Es geht nicht. Es ist so, als wenn du einer Ameise auf einem Blatt Papier etwas von der dritten Dimension erzählst - die guckt dich auch nur blöd an, weil sie es sich nicht vorstellen kann.
Teil meines Genesungsprozesses ist es, etwas zu finden, dass ich ganz ohne Anspruch, Perfektionismus und Lattenhöherlegungszwang tun kann.
Ja mach doch Musik, sagen jetzt die, die mich kennen. Stimmt, mach ich auch. Die Trompete, samt der klassischen Musik und ihrem Perfektionismus hab ich ja erfolgreich verbannt (wenn jemand ne Yamaha YTR 4335 GS braucht, möge er oder sie sich melden), aber wenn ich mit Emerald Isle auf der Bühne stehe, will ich ja auch das Beste für unser Publikum geben. Aber das macht Spaß, das ist etwas anderes. Es ist einfach saustark, mit Christoph zweistimmig zu singen, trotzdem läuft da die Bewertungsmaschine in mir immer noch mit.
Nöö, ich hab mir etwas gesucht, was ich noch nie getan hab, und wovon ich glaubte, auch kein besonderes Talent zu haben. Ich habe angefangen zu malen und zu photographieren. Ich mache das nur für mich, ohne Hintergedanken. Wenn es jemand sehen will, bitteschön, wenn nicht, dann nicht.
Die Photos zeige ich ja schon etwas länger rum, jetzt zeige ich euch zum ersten mal ein Gemälde. Zum Zeitpunkt des Malens war ich übrigens stinksauer, wollte die Leinwand schon wegschmeißen, weil mir meiner Ansicht nach alle misslungen war; bis mir plötzlich jemand sagte: "Hey cool! Jemand im Regen."

UPDATE: Die Juna hat mich im Kommentar auf den Blog von Herrn Overstreet hingewiesen. Er beschreibt ganz ähnliche Erlebnisse. Der Kindskopf zur Studienzeit ist mir nur zu gut bekannt, und die Schutzmechanismen erst...

Mittwoch, 5. Februar 2014

Sie ist wieder da

Keine Sorge, es wird nicht um eine Diktatorin gehen, die zufälligerweise und urplötzlich wieder mitten im Leben auftaucht. Oder vielleicht doch? Nein, irgendwie nicht, den sie war nie ganz weg.

Ich rede von meiner Depression.

Ja, ich habe eine Depression. Nein, ich bin nicht bloß traurig, und ich stelle mich nicht an. Ich habe eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit.
Vor zwei Jahren hat sie mich mehrere Monate außer Gefecht gesetzt, komplett über den Haufen geworfen, Teppich weggezogen, bodenlos. Danach habe ich gelernt mit dieser Krankheit zu leben, hatte sie im Griff. Seit einiger Zeit sitzt sie mir wieder im Nacken und raubt mir meine Kraft.
Ihr wollt wissen wie so etwas aussieht? Weil ihr unsicher seid? Weil ihr meint, mich wie ein rohes Ei behandeln zu müssen? Weil ihr peinlich berührt seid? Weil ihr nicht wisst, wie ihr damit umgehen sollt? Weil ihr immer dachtet: Der doch nicht? Der ist doch stark!
Keine Angst, dass ist keine Anklage gegen die böse Welt und die herzlose Gesellschaft. Ich verstehe euch. Sehr gut sogar. Bis vor drei Jahren hatte ich doch auch noch keine Ahnung, was für eine beschissene Seuche ernste Krankheit das ist; weil Depressionen immer noch ein Tabu sind. Oftmals zumindest.

Eine Depression ist eine ernste Stoffwechselstörung. Aber das könnt ihr selber nachlesen. Es soll um meine Depression und meinen persönlichen Umgang damit gehen.

Tolkien hat in seinem dicken Buch mal geschrieben:
Ich fühle mich wie Butter auf zu viel Brot verstrichen.

Ich finde, das trifft den Nagel auf den Kopf. Du verstreichst deine Kraft im Leben wie Butter auf dem Brot. Gesunde Menschen achten darauf, dass die Butter schön dick bleibt. Depressiven Menschen fällt das schwer. Ich zum Beispiel will immer noch mehr Brot beschmieren. Wenn ich merke, dass die Schicht zu dünn wird, lüge ich mich an, dass die Butter noch reicht. Vor drei Jahren habe ich bis zum totalen geistigen körperlichen und seelischen Zusammenbruch gelogen. Seit dem habe ich Techniken gelernt, meine Kraft einzuteilen und mich nicht mehr zu belügen. Ich habe gelernt, dass ich nicht immer und überall perfekt sein muss, dass es nicht noch immer mehr Brot sein muss, dass mein Stück Brot nicht größer sein muss als das anderer Menschen. Weil ich eben auch nur mein eines kleines Stück Butter habe.
Irgendwann hat sich der Alltag wieder eingeschlichen, und damit meine alten, über Jahrzehnte antrainierten Gewohnheiten. Ihr wisst schon, das mit dem Butter verstreichen.

Zum Glück habe ich Menschen an meiner Seite, die mir dabei helfen, meine Kräfte realistisch einzuschätzen, Leute, die mir zur Seite stehen, wenn ich mal wieder abgerutscht bin. So wie jetzt. Und ich hoffe inständig und kämpfe wie ein Löwe, dass ich nicht wieder so tief rutsche, wie vor drei Jahren. Diesmal kriegst u mich nicht wieder komplett, du Scheißseuche Depression.
Und nein, Menschen mit Depressionen stellen sich nicht an. Wir können nicht einfach wieder auf Knopfdruck fröhlich sein und funktionieren. So funktioniert Depression nicht.

Nicht überzeugt? Na dann recherchiert doch einfach mal, bei welchem Verein Robert Enke gerade unter Vertrag steht.
Ganz genau! Depression ist keine Wehleidigkeit, sondern eine potenziell tödliche Krankheit.

Samstag, 1. Februar 2014

Unterwegs im Rotlichtmilieu

Es ist nicht so, wie ihr denkt. Ich habe nur ein wenig mit digitalen Infrarotfiltern experimentiert. Als Motiv habe ich diesmal die Propstei Buchholz gewählt. Man erreicht diesen seltsamen Ort auf der Hochebene entweder von Burgbrohl oder, wie auf dem Foto, von Glees aus die Serpentinen hochfahrend.
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Nach der Aufgabe der Benediktinerabtei wurden Teile der völlig überdimensionierten romanischen Basilika abgerissen und im Westen mit einer Barockfassade versehen. Auch davon ist nicht mehr viel zu sehen, weil der Kirchbau danach als Scheune gedient hat.

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Auch die Hauptapsis ist abgerissen und mit einer hübschen Fassade zugemauert.
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Die Basilika ist in weiten Teilen restauriert und dient heute unter anderem als Veranstaltungsort.
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Innenaufnahmen sind mir leider nicht gelungen, da die Familie, bei der man den Schlüssel erhält, nicht da war, als ich rein wollte. Aber das wird schon noch. Nur Geduld. Ich komme wieder.